Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Wächter: Da- Verlagsrecht.

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der Erwähnung. Es tritt dies besonders bet der Bearbeitung frem--
der Stoffe hervor. Insofern diese nämlich auch in einer bestimmten
Form, die sie zu einem Gegenstand des Etgenthums machte, mitge-
theilt wurden, entsteht die Frage, in wie weit eine neue Bearbeitung
einen Eingriff in fremde Rechte enthalte und sodann in wie weit
eigne Rechte des Bearbeiters dadurch begründet werden. Die erstere
Frage kommt bei der Verletzung des literarischen Eigenthums in Be-
tracht, die unser Vers, erst in dem noch fehlenden zweiten Theil be-
bandeln wird, und wir bemerken dabet nur, daß wir im Allgemei-
nen sagen können, die neue Form müsse, wie bei der Specification
körperlicher Sachen, nicht in einem ganz untergeordneten Verhältniß
zu dem bearbeiteten Gegenstände stehen, es müsse wirklich etwas
Neues durch die Bearbeitung geschaffen sein. In der Beziehung wird
dem arbitrium judicis wiederum ein gewisser Spielraum gelassen wer-
den müssen, die Gesetze greifen aber auch da in einzelnen Beziehun-
gen normirend ein und gaben z. B. nicht selten Bestimmungen über
die Frage, in wie weit eine Uebcrsctzung aus einer fremden Sprache
einen Eingriff in die Rechte des Autors enthält oder mit andern
Worten, in wie weit die Uebertragung in eine andere Sprache in
einem nicht blos untergeordneten Verhältniß zu dem Originalerzeug-
niß steht. Bei der andern Frage kommt es aber hierauf gar nicht
an, weil nur in soweit, als jemand dem fremden Erzeugniß eine
neue Form gegeben hat, ein Eigentumsrecht begründet wird. Dies
hat auch unser Verf. sehr richtig hervorgehoben (S. 122 f.)
Von einer wcitcrgreifenden praktischen Bedeutung ist indessen ein
anderer Punkt, der von unscrm Verf. nicht gehörig gewürdigt wor-
den ist, und bei dem wieder eine Analogie der Spezification körper-
licher Sachen hervortritt. Wie nämlich der Spezificant nicht durch
daS bloße Factum der Verarbeitung eines Stoffeö Eigentümer der
neuen Sache wird, sondern nur, wenn er mit der Spezification den
unimus domiui verbindet, so müssen wir dies auch bet geistigen Her-
vorbringungen annrhmen. Es ist dies ein Erforderniß der Begrün-
dung des Autorrechtes, welches in der Natur der Sache liegt, denn
durch die Autorschaft soll eine Herrschaft über das Produkt der Thä-
tigkeit, ein Verfügungsrccht in Beziehung auf die Veröffentlichung
und Vervielfältigung des literarischen oder artistischen Werkes, be-
gründet werden, das nicht ohne eine entsprechende Willensrichtung
denkbar ist; es wäre ja widersinnig, jemanden in einem Verfügungs-

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