Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Wächter: Das Verlagsrecht.

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das Bundesgesetzliche Verbot des Nachdrucks nur zum Schutze der
deui Schriftsteller zustehendcn Vermögensrechte und keineswegs dazu
bestimmt sei, ihn gegen alle Rechtsverletzungen sicher zu stellen,
welche er möglicher Weise hinsichtlich seines Werkes erfahren kann.
Unser Vers, dagegen findet zwar in der Bundesgesetzgebung eine Be-
stätigung seiner Ansicht, er sucht diese aber auch durch Berufung aus
allgemeine Rechtsgrundsätze zu stützen. Er meint nämlich, daö gei-
stige Interesse deS Autors falle darum nicht in das Gebiet des Rechts,
weil dieses überhaupt nur die äußern Verhältnisse normire, nur die
Art bestimme, wie der Wille des Menschen in äußern Beziehungen
gegen Andre sich verhalte (S. 90 Anm. 2).
Dies Argument können wir aber nicht gelten lassen; es beruht
offenbar auf einem Mißverständniß. Allerdings normirt das Recht
nur die äußern Verhältnisse der Menschen und betrachtet daher die
Motive einer Handlung, wenn letztere nun dem Rechte entspricht, als
ganz irrelevant. Damit ist aber begreiflicher Weise keineswegs ge-
sagt, daß sich das Recht geistigen Interessen gegenüber gleichgültig
verhalten müsse. Wenn das Recht nur die Art bestimmen kann,
wie der Wille des Menschen in äußern Beziehungen gegen Andre
sich verhalten soll, weil überhaupt die Gesinnung sich der äußern Ge-
walt entzieht, so folgt daraus nicht, daß wir nicht diejenigen äußern
Handlungen, die durch geistige Interessen gefordert werden, zu Rechts-
pflichten erheben könnten. Wie wir z. B. unsere Ehegesetze mit dem
Interesse der bürgerlichen Gesellschaft an einer sittlichen Gestaltung
des ehelichen Lebens in Einklang zu bringen suchen und uns über-
haupt im Famtlienrecht vielfältig durch rein sittliche Interessen leiten
lassen, so können sehr wohl auch die geistigen Interessen eines Au-
tors durch die Gesetzgebung geschützt werden.
Wenn wir uns aber auch nicht darum, weil das geistige In-
teresse des Autors nicht in das Gebiet des Rechts falle, gegen die
Ansicht B l u n t s ch l i 's erklären dürfen, so stehen doch ganz andere Be-
denken seiner Auffaffungswetse entgegen, auf die uns die Geschichte
des ganzen Institutes führt.
Wie wir oben gesehen haben, geht unser Verf. bei der Be-
gründung des Verlagsrechtes von dem Satze auö, eS liege in dem
Rcchtsbewußtscin daö Postulat, daß der Urheber eines geistigen Pro-
ductes alS solcher in der Weise geachtet werde, daß ihm die Früchte
seiner Thätigkeit, die Nutzungen seines Werkes, gegen Eingriffe Drit-

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