Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

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Wächter: Das Verlagsrecht.

der Casuistik, sondern auch in den leitenden Prinzipien noch immer
höchst bedeutende Differenzen bestehen. Zwar sind wir über manche
früher weitverbreitete Jrrthümer hinausgekommen und namentlich ist
man jetzt wohl allgemein zu der Ueberzeugung gelangt, daß es ein
vergebliches Bemühen war, aus dem altern gemeinen Recht einen
Schutz des s. g. literarischen und artistischen Eigenthums abzuleiten,
daß also das Verbot des Nachdrucks lediglich auf die BundeSgesetze
und die altern und neuern Partikulargesetze gestützt werden könne;
ob aber das Autorrecht als ein Eigenthumsrecht betrachtet werden
dürfe oder waS ihm sonst für ein rechtlicher Charakter zuzuschretben
sei; ob ferner das Autorrecht erst wenn es ein Vermögensobjekt wird
in die Rechtösphäre falle oder auch die rein geistigen Interessen des
Autors rechtliche Bedeutung haben, und über manche andere höchst
wichtige Fragen mehr, die alle durch die daran sich knüpfenden recht-
lichen Folgerungen für die Beurthetlung des ganzen Verhältnisses von
großer Bedeutung sind, bestehen noch fortwährend sehr abweichende
Meinungen. Jeder neue Versuch, hier eine größere Ueberetnstimmug
herbeizuführen und die ganze Lehre wenigstens ihren Grundzügen nach
zu einem Abschluß zu bringen, muß daher in hohem Grade will-
kommen sein.
Unser Verf. hat diese Aufgabe zwar nicht im weitesten Umfange
ausgenommen, denn er beschränkt seine Erörterung auf das, was er
das Verlagsrecht des Autors nennt, und schließt die dem Verfas-
ser eines dramatischen Werkes und dem Urheber einer musikalischen
Compositton in Bezug aus deren öffentliche Aufführung etngeräumte
Befuguiß damit von vornherein aus; aber er will doch nicht bloß
einzelne wichtigere Fragen herausheben und zum Gegenstand abge-
sonderter Untersuchungen machen, sondern die ganze Lehre vom Ver-
lagsrecht, Verlagsvertrag und Nachdruck in ihrem Zusammenhänge
einer umfassenden Erörterung unterwerfen, und dabei sowohl die
BundeSgesetze als die Partikulargesetze und die internationalen Ver-
hältnisse möglichst vollständig darstellen. Damit geht er sowohl über
Jolly hinaus, der in seiner „Lehre vom Nachdruck", wie schon der
Titel zeigt, nur diese besondere Verletzung des Autorrechtes behandeln
wollte und dabet auch lediglich die Bundesgesetze zur Grundlage nahm,
als auch über Harum, dessen Absicht zunächst nur auf eine syste-
matische Darstellung und Erläuterung der gegenwärtigen östreichischen
Preßgesetzgebung gerichtet wär, obschon er freilich in einer vortreff-

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