Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

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Brtnz: Lehrbuch der Pandekten.

faltige und behutsame Anregungen zu empfangen und Mancher durch
sie in den Bemühungen, von gewissen festwurzelnden Anschauungen
emanziptrt zu werden, sich dankenswerth unterstützt finden; aber man
darf auch nicht verfehlen, daß der Verf. nicht Garben gereifter Aehren,
sondern Bündel zweischneidiger, widerhaktger Sperre bietet, welche
wie zu einer Pflugschaar künstlich verbunden sind, hergerichtet, um
den hartgewordenen Boden, über den die Phalanx der historischen
Schule ein Halbjahrhundert lang stolz geschritten ist, von Neuem
umzuwühlen. Mit „kritischen Blättern" begann der Verf.; wir fin-
den in dem vorliegenden Buche gewissermaßen die Fortsetzung davon,
eine pikante, anregende, treffliche Gedanken enthaltende, Feuillcton-
Civilisttk, mehr für hartgesottene Pedanten und Gewohnheitsverehrer
unter den Lehrern, als für der „Schule" bedürftige Lerner. Dem
Lernenden muß eine gewisse objektive Ruhe cntgegenkommen, Unruhe
und Streben bringt derselbe kraft seiner Jugend mit.
Unzweifelhaft macht sich in der Ausführung der Dogmen bei
Brtnz ein spekulatives Element geltend: es liegt dies jetzt
gleichsam in der Luft, die wir Alle einathmen; so in den Entwicke-
lungen des Pfandrechts, des Obligationenbegriffs u. s. w. Wir finden
diese Erörterungen lobenswerth, insofern sie Freiheit und Selbständig-
keit des Geistes bekunden. Daneben aber spreizt sich freilich mit einer
gewissen Behaglichkeit des Verf. Subjektivität, welche dem ganzen
Buche einen Karakter der Willkür und — fast mochte ich sagen —
der Launenhaftigkeit oder Zufälligkeit aufprägt, wie er allenfalls in
Monographien, nimmermehr aber in einem Compendium oder „Lehr-
buche" zulässig ist. Es fehlt an ruhiger Gleichmäßigkeit der Erörte-
rungen; nicht über eine glatte Fläche, welche man in einem System
zu erwarten gewöhnt ist, sondern über eine wogende Flut werden wir
geführt; bald finden wir uns oben bei der schwindelnden Spitze einer
aufschäumenden Woge mit irgend einer blendenden Hypothese über-
rascht, bald aber in einer wett ausholenden und durch Polemik weit
auseinandergezogenen Betrachtung, wie in ein breites Thal hineinge-
senkt. Den Mangel an fertiger Ueberzeugung, der mit dieser Un-
gebundenheit und Schwankenlosigkeit der Form gepaart ist, hat der
Verf. verstanden mit einer geistreichen Fülle pikanter Wendungen zu
überziehen, welche leicht sich zur Manier bei ihm verdichten dürfte,
wenn er nicht durch seine kräftige Natur sich davor bewahren läßt.
Es wäre nicht gut, wenn mit solchen Mitteln, wie sie dem Perf.

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