Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Brinz: Lehrbuch der Pandekten.

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Art und Umfang ihres Inhalts von dem persönlichen Bedürfnisse
gerade dieser Person abhange" (S. 264). Gng mit dieser Frage
hängt die andere zusammen, welche Stelle der usus im modernen
Recht behaupte. Darüber sagt Brinz (S. 271): „Die Mög-
lichkeit des Usus im heutigen Rechte läßt sich deswegen,
weil wir kein technisches Wort für ihn haben, nicht in Abrede stellen;
ein bloß mögliches Recht steht aber von dem in Uebung begriffenen
so weit ab, daß wir seine weitere Ausführung wohl aussetzen dürfen."
Diese Selbstbeschränkung tadle ich an sich nicht, finde aber darin vom
Standpunkte des Vers, aus (z. B. neben der Darstellung des Iustinian.
Eherechts — cf. oben §. 7. — und der praetor, stipp.) eine In-
konsequenz. lieber das Verbältniß des usus zum ususfr. wird hin-
zugefügt (S. '270): „Der Usus ohne Fructus unterscheidet sich vom
usus (et) fructus nicht etwa bloß quantitativ, . . allerdings btetct
der Usus weniger . . . allein nicht das persönliche Bedürfniß bildet
den Maßstab . . . denn was der Usufructuar mehr bat, ist der Fructus,
und der ist etwas anderes als der Usus. . . In dem Gebrauch (nach
Abzug des Fructus) ist eine Beschränkung auf das Bedürfniß nirgends
zu finden; ja der arme Usuar kann dem Herrn die Benützung deS
leeren Palastes wehren und je nach Laune die Gemächer wechseln...
Allein er kann den Gebrauch auch nicht nmstonst an Andre «blassen.
Hierin scheint der Usus persönlicher als der Ususfr.; aber nicht etwa
weil sich das Recht des Usus nach dem Bedürfnisse deS UsnarS
bemisst, sondern weil der Usus seinen, nicht eines Anderen Bedürf-
nissen dienen soll. . . Der Ususfr. ist auch einer befitmmten Person
bestimmt; allein diese muß ihn ausleihen können, des fructus bal-
ber. . . Die Interpretation (nun) glaubte den letzten Willen nicht
so strenge nehmen und unter Umständen auch dem Usuar Früchte ver-
gönnen zu müssen; hier, in diesen über strenge Gebühr verwilligten
Früchten kommt eine Beschränkung ans das persönliche Bedürfniß vor;
eine strengere bei Ulpian, eine minder strenge bei PauluS; von
dieser natürlichen Beschränkung eines außerordentlichen Ser-
vitutengebaltes ließen sich die Neueren zu einer außerordentl.
Beschränkung deS ordentlichen Servitutengebaltcs verführen." Recht
gut'. Vielleicht ließe sich.noch schärfer der Unterschied zwischen einem
wirklichen Servitut-Dogma und einer bloßen Jnterpretationsmaxim
betonen: es scheint mir der nämliche Unterschied hier vorznliegen, wel-
chen z. B. Böcking (Pand.-Jnstit. I. §. 81. S. 202. Anm. 4) zwi-
schen Pertinenzqualität und Znlerpretationsmotiv hervorgehoben hat.

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