Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Brinzr Lehrbuch der Pandekten.

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fettig im AuSwerfenden gelegen ist svergl. hierzu meine „Lehre v. d.
Jnbaberpap." §. 69. S. 295 ff. 81. S. 348). — Die Frage
nach dem Wesen der u 8 u c a p i o entscheidet der Vers. (S. 205) dahin:
Die Alten denken ste das eine Mal als tinis sollicitudinis . . . ein
ander Mal als adjectio dominii, demnach sofort als Erwerb. Dort
sollte ste den Streit enden, bier streitbar machen, statt unvollständi-
ger Gewere (Puhl.) vollständige (rei vind.) verschaffen. . . So batte
die usucapio doppelten Dienst und bat ihn noch." Das kann uns nicht
genügen, denn es kann nicht ein Ding einen doppelten Ursprung
haben. Jenen Erklärungsgrund geben Cicero und Gaius, diesen
aber U l p i a n und MoHe ft in; zwischen beiden Gruppen steht N e-
ratius si- 5. pr. D. pr. suo 41, 10) mit der bemerkenswerthen
Darstellung: „Usucapio rerum etiam ex aliis causis con-
cessa, interim propter ea, quae nostra existimantes
possideremus, constituta est, ut aliquis litium finis esset.“ Die
Nostristcation durch continuatio possessionis (animus sibi habendi!
usus!) kann ihren eigentlichen Grund nur in der allmäbligen natür-
lichen Hineinlebung der besessenen Sache in die ganze Willens- und
Lermvgensphäre des Besttzers balun; die Sache selbst wird ja im
Laufe der Zeit stofflich zu einer, anderen (Tbiere, Ernährung!), die
auf sie verwendete Mühe acereseirt gleichsam ihrem Wesen und stellt
einen natürlichen Rapport zwischen der Sache und den übrigen Ver-
mvgrnsstücken her, endlich der Geist deS Besitzers wächst gleichsam
mit der Sache zusammen, so daß ein werdendes organisches Verbaltniß
zerrissen wird, wenn usurpatio eintritt. Hai nun eine Sache wahrend
eines Jahres, also während aller 4 Jahreszeiten, während eines
biennium also während einer kleinen Wirthschaftsperiode, oder wäh-
rend längerer Zeiten in der fremden Gewere sich bekunden, so ist sie
in diese hineingewachsen, und das Recht legitiinirt dieses Wachstbnm
(adjectio dominii). So ruft das Ersitzungsinstitut nicht, wie das Ver-
jäbrungsinstitut, auf äußerlichen Zweckmäßigkeitserwägungen, sondern in
der Natur der Sache; nur die Zeitbestiiumung enthält ein mechani-
sches Element. — Auf Einzelheiten der Usueapionslebre z. B. daS
Polemische gegen Moll entstiel, Stintzing u. A. wollen wir
uns hier nicht einlaffen. Ueber die accessio possessionis
bemerkt der Verfasser gut: bei ihr erscheint der Besitz des Usuea-
pirnten als Hauptsache, der des Auctor als Accession; bet dem
succedere in usucapionem dagegen ist sosehr der Besitz des

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