Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Lehrbuch bet Pandtkten.

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von den Kollektivsachen ist, daß hier „ein Widerstreit des Einzelnen
mit der Gesammtheit, nicht des Körperlichen mit dem Unkörperlichen,
— eine Ausdehnung des Eigenthums auf Gesammtheitcn im Gegen-
satz zu Einzelnheiten, nicht auf incorporalia im Gegensatz zu corpo-
ralia“ sei. Wir treten hiergegen der Puchta'schen Auffassung bei,
indem uns unzweifelhaft scheint, daß eine Gesammtheit, die nicht als
äußerliches Aggregat, sonder» als innere Einheit betrachtet wird, nichts
Körperliches sein könne; wir sehen und fühlen nur die einzelnen
capita, aber diese können ja unbeschadet der Identität der grex sümmt-
lich wechseln, folglich ist, was wir jetzt sinnlich wahrnehmen, etwas
ganz anderes, als was zuvor. Die Einheit kann daher nicht ein
physisches Phänomen sein, sie ist et» psychisches, ruhend auf den
Dispositiv- oder Sliflungswillen des Disponeiilen, auf einer lex
(privata), welche durch gewisse feste Veranstaltungen objektivirt ist.
Welche Veranstaltungen und Kriterien hierzu qualifizirt und zureichend
sind, ist aus der Erforschung der Sitte zu entnehmen. Das Recht
macht die Kollektivsachen nicht nur seinetwillen, sondern erkennt sie
als vom Leben ihm dargebotene Existenzen an; es findet sich in
Ucbercinstimmung mit Leben und Natur, indem es den Begriff der
Kollcktivsachen aufstellt und organisirt, und cs erreicht dadurch ver-
schiedene Vortheile (Einzeldogmen); Brinz will diese cinschränken
auf d>e Vindikationsmöglichkeit, „nur der Vindication zu lieb ist Ein
Eigenthum an einer Gesammtheit einzelner Sachen aufgestellt wor-
den; so gewinnt es denn auch lediglich in der Vindication Bedeu-
tung und Dasein; darüber hinaus halten wir es sogar für undenk-
bar" (S. 117). Ich bi» sehr anderer Ansicht und weise jenem Be-
griffe eine weit breitere Basis an; beispielsweise sei angeführt, daß
für die Frage, auf welche Weise einzelne Stücke in der Lebcnsphäre der
universitas eintretcn, die gewöhnlichen Sätze über Besitz- und Eigen-
thumserwcrb (Traditio») ccffircn müssen, ferner daß das Pertinenz-
verhältniß nicht bloß für die Vindication, sondern ebenso für die
Hypothecirung, namentlich sofern diese mit Jngroffation verbunden
ist, von Bedeutung wird, indem es hierbei sich durchaus nicht um
eine schmale Znterprctationsfrage, sondern darum handelt, ob die Jn-
grossation der Hauptsache (auch rücksichtlich Dritter) sich auf die Zu-
behörung als mitlcidendes Pfandobjekt erstrecke, wenn eine ausdrück-
liche Erklärung fehlt (cf. z. B. Zeitschr. f. RechtSpfl. u. Verw. in
Dachsen, N. F. Bd. 16. (857. S. 262). Darin aber stimme ich
Krit. Zeitschrift für die gesarmute RechrSw. V, Bd, 26

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