Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Brinz: Lehrbuch der Pandekten.

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ganz bestimmt aus; er verwetßt auf die psychische Natur deö Besitzes,
bezeichnet die Entstehung des abgel. Besitzes als Uebertragung eines
„bereits vorhandenen, nicht erst zu gründenden Besitzes" und als
ein „Anvertrauen" und betont daneben, daß der Juhaber des abgel.
Besitzes nicht „den vollen animus rem sibi liabendi“ habe. Das
Problem, welches hier für die Dogmatik gestellt ist, erscheint um so
schwieriger, je mehr von der eigentlichen Definition des Besitzes (wie
wir es fordern) alle physischen Dctentionselemente fern gehalten wer-
den, und aller Nachdruck ans den Willen gelegt wird. Wie kann das
Recht denjenigen als Besitzer behandeln, dem offenkundig der Besitzwille
fehlt'i Brinz spricht von einem „Anvertrauen": dagegen wäre
freilich auf die Bemerkung von Saviguy's (Besitz ^.24. S. 339
der 6. Aust. Anm. 1) zu verweisen, indes: führt uns jenes Wort viel-
leicht auf den rechten Standpunkt, falls wir auf den Begriff der Treue
aufmerksam werden. Die Treue als Rechtsinstilut ist das Band
aller Gemeinwesen, und innerhalb eines Gemeinwesens tritt nicht
Individuum gegen Individuum, gibt es nicht isolirte Rechtösphären,
sondern eine große lebendige Einheit, an welcher die Etnzelncn nur
als Organe oder Glieder erscheinen. Ließe sich nicht der Bcsitzhin-
gcber und der Inhaber des abgel. Besitzes auch als eine subjektive
Einheit, gleichsam als eine Miniaturkorporation und der Inhaber
des abgel. Besitzes als das Organ jener Einheit auffaffen? Es wäre
damit die Schwierigkeit von dem Bcsitzwcscn hinüber in die subjektive
Sphäre der Personen verlegt, wo sie leichter zu losen scheint. Frei-
lich trägt dieser Losungsvcrsuch in die Rom. Rechtswelt eine Eonfi-
guration Hinein, die wenig Analoges dort findet, vielmehr der ger-
manischen Rcchtsauffaffung entspricht (emjihytheusis?) und höchstens
an Manches aus dem altpatrizischcn Rechte RomS erinnert (preea-
rium ?). Wer nun die Ansicht, daß der Prätor in vielen Stücken
an die alte patrizischc Rechtsanschauung «»geknüpft habe, nicht ohne
Weiteres beiseite schiebt, wird nicht abgeneigt sein, hier einer Hypo-
these Raum zu geben, welche von Anderen von vorn herein als Phan-
tom ausgenommen werden dürfte. Wir lassen cs hierbei bewenden
und richten unsere Aufmerksamkeit auf den Besitzverlust (S. 70
bis 74).
Der Verf. versteht in der Lebre vom Besitzverluste die viclbe-
rufenc Stelle des Paulus (I. 153. 0. de R. J.) im bekannten
Sinne v. Saviguy's welcher das „utruraque“ mit alterutrum er-

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