Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Brtnz: Lehrbuch der Pandekten.

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fängerS mehr als man bisweilen meint; der Verf. aber hat diese
Inkonsequenzen mit vollem Bewußtsein begangen (s. §. 7 seines Lehr-
buchs z. A.), und darum unterliegt er einer um so ernsteren Rüge.
— Wenn der Verf. das Institut der deutschen Verschollenheit
mit den Worten abferttgt, daß es „nur den Beweis des Todes" be-
treffe, so kann ich mich nicht befriedigt finden. Das Recht der Jm-
petranten an dem Vermögen des Verschollenen ist ein besonderes
Rechtsvcrhältniß und gehört in die Klaffe der universalen Vermögens-
rechte; als einfache (antizipirte) Erbfolge kann es nicht aufgefaßt
werden, und die Möglichkeit der Rückkehr des Verschollenen muß ge-
wisse civilistische Modalitäten an der Vermögensherrschaft des Jmpe-
tranten hervorbringcn. Die Arbeit von Bruns über die Verschollen-
heit (im 1. Bande des Bekker'schen Jahrbuchs) konnte von Brinz
nicht berücksichtigt werden. —
Von der (bürgerlichen) Ehre handelt der Verf. unter den
„Eigenschaften der Personen"; über ihre, so schwierige Begriffsbe-
stimmung gibt er nur Andeutungen (S. 32). Wir finden an den
herkömmlichen Definitionen der Ehre namentlich zweierleizu tadeln:
1) daß die Ehre mit der korporativen Stellung des Individuums
in Verbindung gebracht und 2) daß das Moment der Sittlich-
keit zu Hülfe genommen wird, um der Ehre einen Inhalt zu geben.
Ersteres vermeidet Brinz, indem er als Grund der Ehre den
Stand nennt und hinzufügt, daß sie nur insofern möglich sei, als
der Mensch (nicht im Staate, sondern) in bürgerlicher Gesell-
schaft lebt; verstebt nämlich Brinz unter bürgerlicher Gesellschaft
dasselbe wie Stahl (in seiner Rechtsphilosophie, II, 2. S. 51.
§. 14), nämlich den wirtschaftlichen Ständeverband, oder überhaupt
die berufsweise Konstellation der Menschen; so gewinnen wir eine
besondere Unterlage für den Ehrbegriff, welche uns auch zeigt, wie
die Ebre sich zur Persönlichkeit verhalte. Der Vermengung der Mo-
ralität aber mit politischen Gesichtspunkten hat auch Brinz sich
schuldig gemacht. — Es ist vor allem zu fragen, worin das natür-
liche Wesen der Ehre ruhe; daß sie ihren Grund nicht in der Per-
sönlichkeit habe, betont Brinz gegen Puchta u. A>, „sonst müßte
auch ibr Gegenteil, die Schande, ihren Grund in geschmälerter
Rechtsfähigkeit haben." Sofern nun unter Persönlichkeit das juri-
stische Wesen der Individualität verstanden wird, stimme ich dem Verf.
bei; der Ehrbegriff gehört so wenig dem RechtSgebtete ausschließlich

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