Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

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Brtnz: ichrtuch der Pandekten.

historische Schule, am Schluffe eines 700 jährigen EntwickelungSpro--
zeffeS die Gesammtthat deS romano-germanischen Geistes; über Cu-
ja cius vergißt man den Zasius, über dem aufgefundenrn Gaius
den „«sus modernus Pandectarum.“ Wie nun verhält stch daS
reifende Bewußtsein deS deutschen Nationalgeistes zu jenem Triebe
nach Knechtsdienst? Die Arbeit des Zasius wird im neuen Geiste
wieder ausgenommen; man wagt es, das antike Rechtswesen als einen
defunctus anzuseben; man will statt sich in die potestas des Römers
zu begeben, das corpus juris wie eine hereditas jacens in den eignen
Rechtskreis anfnehmen, gleichsam unter die eigne potestas bringen
und eine Fusion auf organischem Wege vollziehen; aber cum bene-
fieio inventarii tritt man die Erbschaft an, und der römische Geist
ist es, welcher sich dem deutschen Geiste unterordnen und einfügen
muß: das ist der Fortgang ans dem resormatorischen Wege des Zasius,
und das Ziel ist die Aufrichtung einer umgekehrten Gloffa; hie
Glossatoren schrieben ihre modernen Bemerkungen zwischen die Lapi-
darschrift des Römischen Geistes, die neue Glosse aber wird die röm.
Bemerkungen wie ein diamantnes Netz über den Lebensbau des deut-
schen Geistes spannen: das ist eben baS umgekehrte Verbältnifi,
und das Gelingen dieser Umschaffung ist die Regeneration der deut-
schen Rechtswissenschaft selbst. Noch vor 15 Jahren (Vorrede zur
2. Ausg. der Pandekten) schrieb Pnchta, daß die Frage, ob der
civilistischen und germanistischen Jurisprudenz nicht eine Verschmelzung
bestimmt sei, in der Zukunft liege und nicht zur vorzeitigen Ent-
scheidung gedrängt werden dürfe; aber Saumseligkeit ist die andere
Gefahr, denn nicht besitzt jede Zeit die Frische und Energie des Ent-
schlusses und die Mittel der Ausführung, um den entscheidenden
Schritt in großer Angelegenheit zu thun; mir scheint die Zeit dazu
gekommen, und ich erkenne mehr Schlaffheit und Mnthlofigkeit, welche
die neuen Strebungen in Mißkredit zu bringen bemüht sind. Der
Gang aber läßt sich nicht aufhalten. Kierulff bat mit Energie
begonnen, Leist hat die Reaktion gegen die Despotie des Röm. Rechtes
fortgesetzt, und unter den neuesten Schriften civilistischen JnhalteS
sind es nur wenige, die nicht als Rebesten vom Standpunkte der
strenghistorischen Schule aus bezeichnet werden müßten. Brinz ist
vorsichtig, er findet, daß das Röm. Recht „in complexu“ und „als
geschriebenes Recht" nicht aber „als ein Komplex von Rechtsinsti-
tuten„ reeipirt sei, dem er hinzufügt: „Wir haben nur einige

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