Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

v. Meiller: Oesterrrtchische Stadtrechte rc.

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plicirte wiener Stadtrecht von 1244 (Fridericianum) und das bisher
in Deutschland wenig bekannte Statut von 1278 (Kudoltiiniin) sind
zur bequemen Vergleichung vollständig neben einander gestellt und
der Vers, hat eS nicht unterlassen, vielfach anzudeuten, daß sich der
fehlerhafte Text des letzteren Statuts aus dem ersteren verbessern
lasse. Eine Zusammenstellung und Bearbeitung sämmtlicher Stadt-
rechte von Wien, mit Einschluß der zu dieser Familie gehörigen von
(5ns, Haimburg re., könnte, von einem tüchtigen österreichischen Rechts-
Historiker ausgeführt, ein sehr interessantes Werk ergeben, das unter
Anderm ein ungemein wichtiger Beitrag znr Geschichte des altdeut-
schen Beweiöversahrcnö sein würde.
No. 3 führt unS in das Gebiet der Weisthümer, deren Bedeu-
tung der Verf. mit Liebe zur Sache und mit Sachkenntiuß hervor-
hevt. Ausfallen muß cs jedoch, daß ein in der Literatur so bewan-
derter Mann der schweizerischen Weisthümer (Öffnungen), die zum
Theil eine recht nahe Beziehung zu Oesterreich haben, und von denen,
außer den von G r i m ui mitgctheilten, S ch a u b e r g in seiner Zeit-
schrift für noch nngcdruckle schweizerische Rechlsguellen einen großen
Vorrath zugänglich gemacht hat, nicht gedenkt. — Von österreichischen
Weiöthümern ist bereits eine große Anzahl publicirt, außer von
Grimm vornehmlich in der Sammlung von Kaltenbacck, die Herr
von Ghl. zu den „trefflichen Arbeiten" zählt, ein Lob, das dieselbe
doch kaum verdient. Treffliches Material enthält die Sammlung,
aber die Arbeit, welche der Sammler darauf verwendet hat, ent-
spricht nicht den Anforderungen, die mall jetzt an einen Herausgeber
von Rechtsguellen macht. Durch zweckmäßige Verweisungen statt der
fortwährenden Wiederholungen ganz gleichlautender Bestinimungen
hätte sehr viel Raum erspart werden können, aber weit schlimmer
ist die Unterlassung der Zeitangaben für die meisten Weisthümer.
Deutsches Recht und deutsches Wesen, bemerkt (5 b l., habe in
Mähren rasch Wurzel gefaßt und herrliche Blüthen getrieben, die
großen Culturfortschritte im XIII. und XlV. Zahrhuudcrt danke
dieses Land großcntheils dem deutschen Rechte. DaS Jglaucr Stadt-
und Bergrecht und das von Rößler trefflich bearbeitete Brünncr
Recht sind beredte Zeugnisse für die Ausbildung deö deutschen Rechts
in Mähren. Dorfwcisthümcr dieses Landes sind aber bis jetzt nicht
bekannt gemacht und daS eifrigste Suchen darnach hat nur zu ge-
ringen Resultaten geführt. „ES ist, als ob irgend ein dunkles Ver-
Mil. Zmschri,! für glsamuuc Rechlslv, V. Bk. 3

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