Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

B ri nz: Lehrbuch der Pandekten. sZtzl
denjenigen Arten, welche in der That nicht ohne eine Fiktion dog-
matisch konstruirt werden können. Hiernach rubrizire ich:
I. Natürliche Personen.
1) civilistische Centralpersönlichkeiten
2) civilistische Kollektivpersönlichkeiten.
II. Fingirte Personen.
Die sub. I. 1. haben organische Einzelwesen, die sub. I. 2.
organische Gemeinwesen zur Unterlage, die sub. II. endlich entbehren
jeder natürlichen Unterlage, erhalten dieselbe vielmehr „juris intellectu1*
ruhen mityin nicht aus einer organischen, sondern juristisch-mechanischen
Existenz. Die natürlichen Personen tragen ihren Selbstzweck in
sich, und die juristische Seite ist nur Eine Seite ihreö Wesens, die
ihrem kreatürlichen Gcsammtwesen dienen soll; die fingirten Per-
sonen dagegen haben keinen Selbstzweck, sie existiren gar nicht außer-
halb M Rechtes, nicht dieses dient ihnen, sondern sie dienen dem
Recht, mit a. W.: sie sind nur Mittel zu juristischen Zwecken. Zu-
nächst kommen sie hier nur als civilistische Existenzen *) in Frage.
— Welche Personen nun sind es die auf einer solchen singirten Zn-
dividulität ruhen? Aus dem Röm. Recht sei hier das ewbri^v su-
perstes und der liereclitus jacens gedacht (ck. meine Schrift über
die Oblig. und Singularsuce. §. 94. @. 378 sq.); als wichtigstes
Erzeugntß des modernen Rechtsinnes sind hier die Aktienvereine
zu nennen, denen ähnliche Verkehröfunktionen zugefallen sind, wie
wir sie in der Röm. Kaiserzeit von den Sklaven erfüllt sahen. Zch
will hier unerörtcrt lassen, ob und inwiefern etwa auch die Han-
delsfirmen und Rhederunternehmungen unter denselben
Gesichtspunkt der Fiktivpersonifikation gestellt werden können, und will
mich begnügen, auf die in dem Znstitute der Aktienvereine vollzogene
Ausdehnung eines dogmatischen Generalprinzipcs nachdrücklich hinzu-
weisen (vgl. meine Schrift über Znhabcrpapiere, 2. Abth. S. 509 sq.)
Aktienvereine sind zum Zwecke civilistischer Metamorphosen geschaffene

*) Es bleib« urierörtrrt inwiefern sie unter Umständen auch eine publici»
stische Seite erhalten z. B. als steuerpflichtige Unterthanrn, der Gemeind» oder
des Staates in Betracht gezogen werden können. Wie die Römer proletarii
hatten, die höchstens Militärdienst, nicht Abgaben zu leisten vermochten, so bildet
sich im heutigen Staatsleben ein künstliches Proletariat heran, welches höchstens
Steuer zu zahlen, nie mit seinem Blute dem Gemeinwesen Ritterdienst zu leisten
vermag.
kkrit, Zeitschrift für die gcsammtc RcchlSw. V. Bd> 24

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer