Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

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Brtnz: Lehrbuch der Pandekten.

ist zuerst Kasuistik und und llisputatio ton: zur Vorbeugung dient die
Kautel, bet der formellen Konstitutrung deS Streites muß alle Ener-
gie des RechtsinneS sich auf die Form des Rechtsverhältnisses richten,
und der Entstehungsgrund wird zum Brennpunkt deö prozessualen
Experimentes. Darum wächst z. B. das ganze jus bonorarium aus
der (bonorum) possessio und actio hervor und in dem jus, quoll
all actiones pertinet, ruhen ursprünglich alle jene vier Momente
unbefangen und naturwüchsig neben einander. Allein die systemati-
sche Dogmatik muß diesen gordischen Knoten auflösen und jeden Faden
an seinem Orte besonders anheften und abspinnen; auch Brtnz thut
dies der Hauptsache nach, indem er (S. X der Vorr.) zwischen Ak-
tionen (die obigen Momente unter a u. c ?!) und Aktionenrechten
(oben unter b?!) unterscheidet und im Hinweis auf den Anschluß
des Civilprozesses an die abgesonderte Betrachtung der allgemeinen
Lehren von den Rechtsgeschäften den Kautelargesichtspunkt hervorzu-
heben scheint. Wozu also jene Auseinandersetzung in der Vorrede
(S. X), die gleichsam mit Nachdruck auf die gefüllte klimpernde
Geldbörse schlägt? Dies kann sich erst am Schluffe des Pandekten-
kompendiums Herausstellen.
Jene Gliederung des Systems nach personae, res und actiones
ist eine vielbesprochene, und noch immer ist eigentlich unermittelt, wo
ihr innerster Lebenskern ruhe; denn daß sie nach verschiedenen Rich-
tungen hin der geordneten Rechtsanschauung forderlich sei, ist schon
oft und zuletzt wieder von Rudorfs anerkannt worden. Es scheint
ein besondrer theoretischer Reiz in dieser Dreigliederung zu liegen,
als gälte es einen Schatz zu heben, und in der That arbeitet hier
unser Rechtsbewußtsein an einem Faden, welcher bis in die Urzeiten
des römischen Rechtsinstinktes zurückreicht. — Wir wollen hier nicht
Experimente anstellen und daher nur beiläufig andeutcn, daß vielleicht
das Innerste unsrer Trias in der Nebenetnanderstellung der Vor-
aussetzung, der Struktur und des Lebenslaufs der Rechts-
verhältnisse — dieser Individuen im Reiche des Rechtes — enthalten
sei: die Personen sind die Faktoren der Rechtöwelt, die Schöpfer
des Lebens; die r«8 find die Geschöpfe in der Rechtswelt, die Träger
des Lebens darin, und die Aktionen zeigen den Verlauf, die Be-
wegung und das Schicksal der Rechtswelt. An sie knüpft am besten
die geschichtliche Bewegung selbst an, wie auch der Prätor seine Fäden
an dem 3. Theile der Tripertita anknüpste, wo die actiones ihren

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