Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

34. Brinz, Lehrbuch der Pandekten

Brtnz: Lehrbuch der Pandekten.

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Lehrbuch der Pandekten von Dr. Alotr Brtnz, o. ö. Professor der
Rechte zu Erlangen sjetzt zu Prag^. Erste Abtheilung. Erlangen, Der-
lag von Andr. Deichcrt. 1857. XVI. u. 650 S.
§. 1. Vielleicht ist kaum je ein Buch erschienen, an besten In-
halte so Vieles wie in Einem Athem zugleich zu loben und zu
tadeln wäre, und gewiß ist die kritische Besprechung eines solchen
Buches, will sie den jetzt hier und da üblichen entweder stachen oder
aber cavalieren Ton vermeiden, keine zu leichte Aufgabe. Wenn ich
es dennoch unternehme, den von dieser ungewöhnlichen Erscheinung
meinerseits empfangenen Eindruck, nach Kräften motivirt hier vorzu-
legcn, so geschieht es namentlich mit Hinblick auf die mehrfachen Be-
gegnungen prinzipieller Tendenz, welche ich selbst mit dem Verf. des
zu besprechenden Werkes im Bereiche des Rechtes bereits gehabt habe.
Unsere beiderseitigen Wege sind nickt ganz die nämlichen, darum
kreuzen wir uns oft ; wie nabe oder entfernt einander unsere Ziele
liegen, ist kaum schon zu crmesten: dies kann sich nur nach und nach
konstatiren. Ein Tbeilchcn zu dieser Konstatirung beizutragcn, dazu
ist vorliegende Besprechung bestimmt.
Nur auf außergewöhnlichem Boden pflegen außerordentliche Ge-
wächse zu gedeihen; wir müssen daher vor Allem Umschau halten
auf dem allgemeinen Boden, aus welchem der Gegenstand unserer
Betrachtung hervorgewachsen ist, also auf dem dermaligen Zustande
unserer Jurisprudenz: im vorliegenden Pandektcnlehrbucke spiegelt sich
dieser Zustand ab, so treu, so überraschend, daß man schwankend
wird, ob dem Verfasser wegen seiner Fehler ein Vorwurf gemacht
werden könne, und daß man ihm beinahe eher einen Dank votiren,
als ein Verdikt fällen möchte. Die gegenwärtige Jurisprudenz regt
sich und ringt — und in vorliegendem Werke ist dieses Ringen ob-
jektivirt: das ist in Lumina Summarum Wesen und Werth des
Buches. Viel Unbehagen und wenig Frische, viel Unzufriedenheit und
wenig Math herrschen in unsrer Doetrin, mit hypochondrischer Müh-
seligkeit und Aussichtslosigkeit, wüblt man sich in die gewundenen
Gänge der civilistischen Kasuistik, und arbeitet mit dem rregettschen
Mikroskop in der Hand die kleinsten Metallstäubchen aus dm Legal-
Bergwerken heraus, in Wahrheit eine Wiederholung jener antiken
Sklavenarbeit in den meiall,-,. Brinz wagt den Versuch, aus die-
sen beengenden Schachten des Sklaventhums unserer Doktrin sich zu

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