Volltext: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 5 (1859))

332 Rudorfs: Römisch« Recht-gkschicht«.
verkennen wir die mit ihnen verbundenen Gefahren keineswegs. Aber
wir wissen nicht mit welchem Rechte Diejenigen vornehm die Achseln
darüber zucken, welche sich mit Emphase zur historischen Schule be-
kennen und sich doch selbst noch niemals von dem sichern Boden an-
tiquarischer Gelehrsamkeit entfernt und den Gefahren ächt historischer
Probleme genähert haben.
Einem Manne wie Rudorfs räumen wir gern das Recht ein
„die bedenkliche Unterschätzung treuer Erforschung auch des scheinbar
Geringfügigen" scharf zu tadeln. Allein wir möchten ihn fragen,
ob es denn nicht auch eine bedenkliche Ueberschätzung solcher For-
schungen gebe und ob nicht für die Wissenschaft eine Gefahr auch in
der Sinnesart liege, die mit exacter Darstellung des Einzelnen die
letzten Aufgaben der Wissenschaft erreicht zu haben glaubt.
Es ist nicht blos eine Forderung der Billigkeit, die wir für die
von Rudorfs so geringschätzig behandelte Richtung erheben; sondern
wir verlangen trotz aller Mängel die Anerkennung ihrer Be-
rechtigung im Interesse der Wissenschaft selbst; denn in ihrer ab-
soluten Verschmähung liegt die traurige Resignation auf die Möglich-
keit einer ächten Geschichte des Rechts. Gestehen wir ein, daß mit
P u ch t a die Kraft zu Grabe ging, von der wir das Gelingen dieses
Werks erwarten durften. Aber es scheint uns eine Versündigung
gegen das, was Puchta für unsere Wissenschaft geleistet hat, darin
zu liegen, wenn dies dürre Compendium Rudorfs's jetzt den
Platz einer Rechtsgeschichte ausfüllen will. Mag der Historiograph
deS Rechts noch nicht geboren sein, so soll doch unsere Wissenschaft
sich nicht müde zur Ruhe legen im Behagen ihrer gelehrten Schätze.
Denn wie die neuere Zeit auf die gelehrte Kenntniß der alten
Kunstwerke eine Geschichte der Kunst aufcrbaute, so kann und muß
eS einmal auch im Rechte gelingen. Dies Ziel liegt noch vor uns.
Ik. Stintzirrg.

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