Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 5 (1859))

Rudorff: R-mische^Rrcht-geschtchtr.

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v. Hadriani und D. Pii friedlich nebeneinander bringt, auch wohl
noch für die formae a praefecto Praetorio datae ein Raum gewesen
sein würde.
Ref. wünschte, daß er zum Schluß von dieser Ausstellung zu
einer großen Anerkennung übergehen und sich mit Ehrlichkeit daS
oäium ersparen könnte, welches den trifft, der über die Kritik die
Pietät zu vergeffen scheint. Allein Rcf. darf nicht verschweigen, daß
es ihn mit Besorgniß um unsere Wissenschaft erfüllt, wenn er sieht,
wie ein Mann, den wir bereitwillig zu den hervorragenden Schü-
lern Savtgny's zählen, sich darin mit „den bekannten Anschauungen
der historischen Rechtsschule" einig zu wlffen glaubt, daß er thatsäch-
lich und ausdrücklich auf das Streben verzichtet, den Entwicklungs-
gang des Rechts innerlich zu erfaffen. Wir waren bisher der
Ansicht, daß die historische Schule ein höheres Ziel verfolgt habe,
als die Ermittlung und präcise Feststellung einzelner Thatsachen.
Wir meinten, daß man heutzutage bistorischcs Erkennen und anti-
quarische Gelehrsamkeit unterscheide. Irren wir uns darin, so sehen
wir nicht ein, worin unsere bistorischc Schule die alten Holländer und
Franzosen übertrifft, noch warum sie sich mit einem vornehmeren Ramm
und nicht wie jene als die elegante oder antiquarische bezeichnet.
Man ist in den übrigen Zweigen historischer Wissenschaft sich
längst darüber einig, daß ohne getreue Erforschung des Einzelnen
die Gesammihett einer Entwicklung nicht erkannt werden kann; daß
aber auch die historische Combination, das Zusammenfassen der ein-
zelnen Thatsachen zu einem Gcsammtbilde eine notbwendige und des
Gelehrten ebenso würdige Aufgabe ist. Auch darüber ist man sich
einig, daß zwar keine von beiden Thätigkeiten vernachlässigt werden
darf, daß aber die individuelle Begabung des Einen ibu mehr nach
der ersten, die des Andern ibn mebr nach der andern Seite führen
soll, und daß Keiner von Beiden befugt ist, den Andern gering zu
schätzen, weil er ihn nicht seinen Weg verfolgen siebt.
Zn der Disziplin der Rom. Rechtsgeschichte scheint man zu sol-
cher Einsicht nicht gelangen zu wollen. So oft in neuerer Zeit der
Versuch gemacht worden ist, aus dem reichen Material zu einer RechtS-
geschichte diese selbst einmal lebendig aufzubauen, hat man von der
andern Seite nicht gesäumt seine Geringschätzung an den Tag zu
legen. Allerdings sind wir weit entfernt davon, zu behaupten, daß
einer dieser Versuche bis jetzt völlig befriedigend ausgefallen sei; auch

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