Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

320 Schriften überGefängntßwcscn v- Hagele, Diez, Ducpcttaur u. A.
das Ekgenthum, 2182 Rückfällige, und 90/0 unter 16 Jahren; so-
wie daß, in Vergleich zur Mittelzahl der Gefangenen, immer über
die Hälfte aus Rückfälligen bestand, auch wenn man Solche, die
vorher nur Bezirksgcfängniß erstanden hatten, nicht einrechnet; daß
bisher die Bemühungen des Schutzvereins keinen in Zahlen nach-
weisbaren günstigen Erfolg gehabt haben, daß der Todesfälle im
Ganzen etwa 5% waren, und daß endlich während der Zeit der
Aufhebung der Prügelstrafe (18-19—54) weit weniger Ordnung-
strafen verhängt werden mußten als vorher sowohl wie nachher,
nämlich dort nur 189, hier aber 277 und 226 %. Bcmerkens-
werth ist ferner, daß die feit 1854 wieder eingeführten Prügel, so-
fern sie als „Strafschärfung" oder auch als Ersatz eines Theils der
Zuchthausstrafe erkannt werden; — wobei ihr höchster Betrag:
50 gleich 6 Monaten gerechnet wird —■ im ersten Strafjahr voll-
zogen werden müsten, weil man einsah, daß sie der Erreichung des
Besserungszwecks (wie jedes andern nicht unrechtlicben Zwecks Ref.)
im Wege stehen und nur erbittern, gleich allen andern Strafschär-
fungen, die schon im Urtheil ein für allemal, ohne alle Rücksicht
auf Individualität und Fortschritte im Guten, fatalistisch im Voraus
bestimmt sind. Schon bei Berathung des Strafgesetzbuchs batte der
Ausschuß der Abgeordneten seinen Antrag auf „baldige Einführung
eines umfassenden Besserungssystems" sehr richtig darauf gestützt,
„daß nur die Besserung der zur Bestrafung kommenden Verbrecher
die Zahl der Verbrechen nachhaltig vermindern kann und daß
ohne hierauf gerichtete umfassende Anstalten auch das beste Strafge-
setzbuch nur von geringem Erfolg sein wird". — Da es unmöglich
ist mit einem Mal in allen Strafanstalten „die Gemeinschaft zu
beseitigen", so kann man, sofern Dieß (wie von Probst) als „Roth-
wendigkeit" festgehalten wird, immerhin zugebcn, daß beim Zucht-
haus der Anfang gemacht wird, obwohl man damit „den Krebs-
schaden nicht am richtigsten Ort trifft" (S. 55) und es sich noch
fragt, ob nicht der Versuch mit der Einzelhaft an längerzeitig Ver-
urtheilten im Ganzen weniger gute Früchte bringt als bei den
nicht bereits völlig verdorbenen, wenigstens bet den zum ersten
Male, wenn auch nur auf kürzere Zeit, Verurtheilten. Offenbar sind
Mißstände, Willkürlichkeiten und Folgewidrigkeitcn nach allen Seiten
hin nicht zu vermeiden, solange nicht durchweg alle Gefangenen
gesondert sind und bleiben, solange man mithin, z. B. nach Ablauf

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