Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

318 Schriften über Gcfängnißwescn v. Hagele, Diez, Ducpetiaur n. A.
ncs beruht, sondern lediglich auf dcsscu Wahrnehmung, daß man in
einem bestimmten Zellengefängniß, nämlich in Reading, die Ge-
fangenen lauge schlafen und so gut wie Nichts thun laßt, dafür
aber fast auSschlicßend an ihrer Bekehrung arbeitet. Von einer
solchen verkehrten Uebertrcibung irird aber kein Besonnener sein Nr-
theil bestimmen lassen. Ebensowenig wcrth ist daS nach Mitter-
maier wiedergcgebene Cbaoö thcilwcise geradezu widersinniger sog.
englischer Erfahrungen für und besonders gegen die unerläßliche
durchgehende, folgerechte Trennung der Gefangenen — auch in der
Kirche und durch die Mützenklappe — (©. 58). Dennoch hat sich
der Berichterstatter dadurch verleiten lassen die bierin durchaus rich-
tige Bestimmung dcS Gesetzcntwurfs zu beanstanden. Mit Recht
urthcilt auch Probst über daS sog. System Obermaicr's: daß,
wenn man diese Persönlichkeit wegdcnke, Nichts übrig bleibe als ein
gewöhnliches Zuchthaus, mit allen Mängeln behaftet und nickt zur
Nachahmung zu empfehlen (S. 9); ferner, auf Anlaß dcS sog.
Wentzel'schen Systems f§. 7): daß der Arbeit im Freien, auch
wenn dabei die entwürdigende Schaustellung der Sträflinge vermie-
den werde, doch alle Nachtbeile ihres Zusammenseins anhaften. Zu
solchen Arbeiten größeren Belangs auf Jahrzehnte bin fehle überdies;
in Würtemberg die Gelegenheit. Viel Wahres enthält auch seine
Beurtheilung des „Markensystems", wenn man die unbestimmte
Redensart von dem „sog. objektiv bestimmten Maß der Sühne"
in Abzug bringt; denn dafür müssen wir dergleichen beliebte Wen-
dungen, in denen neuerlich besonders Köstlin wieder Namhaftes
geleistet hat, solange halten bis uns Jemand — nicht etwa aber-
mals mit tönenden, Helldunkeln Worten, sondern deutlich und greif-
bar — zeigt, von welchem „Objekt" und von welchen „Momenten
der That" — und wie? — man dieses unfaßbare Maß herzu-
nehmen hat. Die von der Mehrheit dcS Ausschusses erwähnten,
„an sich begründeten Erhöhungen und Schärfungen der Strafe, in
deren Charakter der Besserungszwcck nie abändernd eingrcifen darf"
(S. 56), geben einen neuen Beleg, wie gefährlich cs ist, mit der-
gleichen nichtssagenden Stichworten sich und Andere zu täuschen.
Dem unbegründeten Tadel der bedingten Freilassungen (S. 40),
deren Werth schon oben beleuchtet worden ist, möchten wir nur noch
die Bemerkung entgegenhalten, daß die Zeit überhaupt Nichts ist,
Das was in der Zeit geschieht Alles, m. a. W. daß nur

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