Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

306 Schriften überGefängnißwesen v. Hägcle, Diez, Ducpettaur u. A.
bald — weil die nöthige Einbeit fehle — Lust und Takt ebenso
sicher verlieren würden als die Zellenhaft ibren guten Ruf. S. will
keine alten Lappen auf ein neues Kleid gesetzt wissen und sieht nicht
ab, wie man erwarten kann, daß aus einem trüben Brunnen saube-
res Wasser laufe. Nach welchem Maßstab, fragt er, soll denn die
„angemessene" Anzahl der Zellen und der „nöthigcn" Säle bestimmt
werden, und nach welchem Grundsatz sollen die Gerichte zum Einen
oder Andern verurthetlen — es werde ihnen nun ganz oder zum
Thetl freie Hand gelassen. Das Gute, was die unverfälschte Zellen-
haft negativ (in Verhütung des Bosen) stifte, sei unbegränzt;
Keiner werde wenigstens durch sie schlechter, Viele würden zum Still-
stehen auf dem bösen Wege gebracht, Manche zur Umkehr. Die
Sträflingsäle aber lieferten die künftigen Störer der Ruhe und des
Eigenthums der Gesellschaft; denn sie machten Jene, die wegen
einer Sünde hineinkämcn, mit allen Sünden vertraut, und nie
sei Jemand durch das Beisammensein mit Mitgefangenen besser ge-
worden. „Das habe ich nicht verdient, rief ein junger Mensch ans,
„daß man mich dahin gebracht hat, wo langsam der letzte Funke der
„Sittlichkeit erstickt wird, ich mag wollen oder nicht. Ich laufe Ge-
„fahr, dieses Haus als ein vollendeter Bösewicht zu verlassen". Wie
viel Böses, sagt S., stiftet doch, meist ohne es zu wissen, jeder
Gegner der Einzelhaft. Der ausführlichste 3. Aufsatz bespricht die
Untersuchungshaft. Hier zeigt S. vortrefflich, daß es nicht nur
ein allgemein von jeher zugestandenes Recht sei, Angcschuldtgte in
Einzelhaft zu bringen (Was mit einer Absperrung Derselben von
allem äußeren Verkehr — secret — nicht zu verwechseln sei), son-
dern so gewiß auch eine Pflicht, als man, um die Schuldigen von
den Unschuldigen zu trennen, wie es viele Gesetzgebungen, z. B. die
französische, mit Recht immer verlangten, kein sichres Mittel habe
als Alle zu trennen. Selbst Gegner der Zelle, wie Leon Tau-
cher und Lucas, erkennten darin die einzige Hülfe gegen Ver-
derbniß, vielleicht auf Zeitlebens, durch Andere. Zugleich führe die
Zelle durch das bloße Ntchtzugcgensetn Anderer wie von selbst zur
ungestörten Wirkung des Gewissens, und so zum Geständniß, sei
also vom größten Werth für die Rechtspflege, während die Gemein-
schaft wirke wie jener Spruch, den ein Gefangener au die Wand
des Sals geschrieben hatte: „Bekenne Nichts; Bekennen hat schon
Einen von uns an den Galgen gebracht!" Nicht die Zelle als

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