Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

26 Röder; Die Verbesserung de« GefängnIßwesenS.
und mit Gartenarbeiten, sowie mit der Erlernung solcher Gewerbe,
in welchen sie nach ihrer Entlassung sogleich fortzuarbciten im Stande
sind.
Zn St. Georg ist wenige Schritte vom Zuchthanse das Irren-
haus, dessen Director, E>r. Stahl, bei der Heilung der Geistes-
kranken einen ähnlichen Weg, wie Hertzinger, einschlägt. Er be-
müht sich durch stete Erheiterung und Zerstreuung seine Patienten
herzustellen, und wirkt so, wie er behauptet, sehr wohlthätig auf ihren
Seelenzustand; auch Hertzinger versucht das kranke Gemuth des
Verbrechers durch edle Beschäftigungen zu heilen, und auch er ist
mit den Resultaten seiner Bestrebungen sehr zusricden; die allgemeine
Liebe und Achtung für ihn, welche sich unverkennbar in jeder Miene
der Gefangenen aussprach, das ernste Bemühen derselben sich ihm
wohlgefällig zu machen, bestätigten diese Behauptung.
Zwei Hindernisse stehen in St. Georg der Besserung entgegen,
die in der Gesetzgebung ihren Grund haben, der Umstand, daß die
Zuchthausstrafe eine Kettenstrafe ist, rrnd die Strafgualifikationcn
durch Hungerkost und Dunkelarcest.
Es ist ein Vorzug Prerrßens weder die Ketten im Zuchthausc
noch die genannten Schärfungen als Strafmittel zu kennen.
Nachdem, was insbesondere Fühlin in seiner Schrift: „Die
Beziehungen deS badischen Strafgesetzes zum Pönitentiarsystem" über
die nachtheiligen Folgen der Hungcrkvst und des Dunkelarrestes für
Körper und Seele der Gefangenen so ergreifend bemerkt, möchten
sich schwerlich noch Vertheidiger derselben finden.
Wir theilen die Ansicht deö Verfassers über die Verwerflichkeit
der Strafgualifikationcn vollkommen. Als Disciplinarstrafen werden
beide, was Schlatt er richtig ausführt, ihre guten Wirkungen nicht
verfehlen, doch erheischt auch hier ihre Anwendung die größte Vor-
sicht, und eine besondere Berücksichtigung der Gcsuudheitsnmstände
des zu Bestrafenden.
Den Zageman'schen Strafstuhl würden wir sofort, auS der
Dunkelzelle, in welcher er steht, entfernen, und zu irgend einer Samm-
lung alter Marterinstunnente aus den Zeiten der Tortur gesellen.
Wir ersehen aus Fühl in „über die Einzelhaft" S. 148, daß
der Strafstuhl, in dar Zeit von 1850/54, 21 mal auf 6 Stunden,
4 mal auf 2 mal 6 Stunden, und 2 mal auf 6 mal 0 Stunden zur
Anwendung gebracht wurde, mithin nicht ungenutzt dagestanden hat.

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