Full text: Kritische Zeitschrift für die gesammte Rechtswissenschaft (Bd. 5 (1859))

286 Passy: Des origines de la communautd de biens entre epoux.
sichert. Beide Institute sind der juristische Ausdruck einer neuen
Sachlage und des Einflusses der Kirche."
In dem dritten Abschnitt (La communaut£ tians la socidtc
Modale) verfolgt der Vers, die weiteren Fortschritte und die endliche
Ausbildung der Gütergemeinschaft unter der Herrschaft des Lebens-
wesens. Er beginnt mit einer objektiven Schilderung des GüterrechtS
der Ehegatten, wie es sich in den verschiedeiten Provinzen Frankreichs
vom 12. bis zum 16. Jahrhundert gestaltet bat, so insbesondere im
Hennegau, Flandern, Artois, Picardie, Normandie, Bretagne, An-
jou, Maine und Touraine, Poitou, Ile-de-France, Champagne,
Lothringen, Burgund, Auvergne, Dauphine und Languedoc, wobei
er wieder eine große Menge neu cdtrtcr und tbeilwcife unedirter
Quellen benutzt. Aus dem wirren Bilde buntester Mannichfalrigkeit
zieht er sodann seine Resultate für das allgemeine Gewohnbeitsrecht
Frankreichs. Als Hauptresultat seiner Untersuchung stellt er die ganz
liche Verschiedenheit in der Entstehung der Gütergemeinscha't bei dem
Adel und bei dem Bürgerstand hin.
Bei dem Adel bildet sie sich, nach seiner Ansicht, im Anschluß
an die germanische Ueberliesernng, in Folge der Veränderung, welche
unter dem Einfluß des Lebcnswcsens mit dem dotalitium und dem
gain de survie vorging. Das Lehnswesen, welches die Frau vom
Erwerb von Liegenschaften ausschloß, gestattete nicht mehr, daß sie
damit bewidmet wurde. Das Dotalitium konnte nicht mehr das Ei-
genthum an gegenwärtigen oder zukünftigen Liegenschaften übertragen,
und bestand nur noch im Nießbrauch an den Erbgütern des Mannes.
De» acquets, sagt daher der Vers., le dotalitium passe atix propres
et s’y fixe. Aus dem gleichen Grunde führte König Pbiltpp-Augnll
durch Ordonnance vom I. 1219 das gesetzliche Wittbum (dom» i re
Idgal) ein, wornach die Frau in Ermangelung eitles vertragsmäßi-
gen Witthums den Nießbrauch an der Hälfte der Güter des ManneS
erhalten soll. Allein neben dieser gesetzlichen oder vertragsmäßigen
Wittwenversorgung atls den Erbgütern des Mailnes, erhielt sich das
gain de survi« der alten Volksrechtc als eine hergebrachte Ueberlie-
ferung in der Sitte fort. Da es indessen aufgebört batte, ein bloß
gesetzliches (subsidiäres) Recht der Frau zu sein, vielmehr ein
unter allen Umständen Platz greifendes Gewohnheitsrecht geworden
war, so hatte es auch seine rechtliche Natur völlig geändert, es war

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