Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

280 Berner: Lehrbuch des deutschen Strafrechts.
Gegenstand, »nd hier findet folgende Classificirung statt: Verbrechen
gegen die Verwaltungszweige begreifen die von Unterthanen jeder Art
begangenen Verbrechen gegen die Finanzhohett, gegen die Poltzeige-
walt, gegen die Rechtspflege und die Militärhoheit, ferner die Be-
stechung, widerrechtliche Erlangung und Uebertragung eines Amtes
und endlich die Verbrechen der Beamten; Verbrechen gegen die Kam-
mern und gegen das Staatsoberhaupt bilden gleichfalls eine beson-
dere Klaffe, ebenso wie die gegen das Staatsganze. Endlich im
fünften Buch stehen die Verbrechen gegen Religion und Kirche.
Auf Einzelheiten kann hier ebensowenig wie im allgemeinen
Theil eingegangen werden. Was die organische Eintheilung der Ver-
brechen betrifft, so läßt sich dagegen nichts cinwcnden, als daß fie
von den bisherigen Eintheilungcn der Wissenschaft abweicht; jeden-
falls ist sie aber motivirt und deshalb neben allen andern Einthei-
lungen vollkommen gleichberechtigt. Die organische Darstellung er-
folgt bet Berner in der Art, daß erst das römische, canonische und
deutsche Recht aufgeführt und dann zur Definition und zur Zerlegung
des Thatbestandes des Verbrechens in seine einzelnen Bestandtheile
und Merkmale, wie sie gegenwärtig den Begriff des Verbrechens aus-
machen, übergegangen wird. Die neuen Gesetzgebungen sind, nament-
lich das Preußische Strafrecht, sehr vollständig berücksichtigt, die
wesentlichsten principiellen Bestimmungen in den Text, bcsondre Ab-
weichungen und Einzelheiten aber in die Anmerkungen ausgenommen
worden. Auch hier ist das Ebenmaß bei Vertheilung des Materials,
in der Geschichte und Darstellung des praktischen Rechts getroffen
und besonders hervorzuhebcn; zugleich ist auf 556 Seiten auch die
möglichste Vollständigkeit erreicht worden.
Wir beschließen unsere Betrachtung mit der günstigen Prognose,
daß Bern er's Lehrbuch, weil cs sich zum Gebrauch bei akademi-
schen Vorlesungen ebensogut wie zum Selbststudium eignet, und da-
durch vor allen andern Lehrbüchern der Gegenwart etwas voraus hat,
bald in weiten Kreisen Eingang finden und mehrere Auflagen erlebeil
wird.

Dr. H. Ortloff.

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