Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Berner: Lehrbuch des deutschen Tlrasiechts.

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rechtstheorien geführt; von diese» handelt derselbe, nachdem er die
Aufgabe der Strafrechtswissenschaft dabin firirt bat, daß sie zugleich
daS Recht und die Pflicht zu strafen, zugleich das Strafrecht im sub-
jektiven und objektiven Sinn zu begründen habe, und nachdem er
den Unterschied zwischen positiven und begriffsmäßigen Strafrecht er-
örtert hat. Er bat in angemessenem Verchältniß die relativen, ab-
soluten und gemischten oder „Vereinigungstbeorieen" charakterisirt
und kurz kritisirt, und endlich ein eklektisches Resultat zusammenge-
stellt. Wir stimmen mit dem vom Verfasser an die Spitze gestellten
Satz, daß durch die Strafe das Recht wieder bergestellt werde, indem
sie das Unrecht vernichte, und daß sic ein Akt der Gerechtigkeit sei,
überein; ferner auch darin, daß das Grundwesen der vcrbängten
Strafe Vergeltung sei, und zwar Vergeltung nach dem objektiven
und subjective» Wertbe auf Grund der Empirie, ferner daß die un-
mittelbare Wirkung der Vergeltung die Genugtbuung sei, wodurch
auf Seiten der Verletzten s Individuum und Staat) das Geiübl der
Befriedigung, auf Seiten des Verletzers das der Rübe vor der Ver-
folgung allerdings erzeugt wird. Daneben erkennt der Verfasser aste
Rcbenaufgaben der Strafe, welche durch den erreichten Genugtbuungs-
zweck nicht erreicht werden, als im Befferungs- und Abschreckungs-
zwecke vereinigt an; beiden letzteren gestattet er bei Erörterung der
Frage, wie die Strafzwecke auf den Ebarakter und das Maß der
Strafe wirken, einen gewissen Einfluß auf den Ebarakter, auf die
Vostzicbungsweise der Strafe und auch auf das Maß derselben, allein
die vergeltende Gerechtigkeit fordere ein bestimmtes Strafmaß, ein
anderes aber Besserung und Abschreckung. Hier erkennt nun Ber-
ner die Schwierigkeit einer Vereinigung der absoluten Theorie mit
den relativen an, aber er beseitigt sie durch eine Untersuchung des
Begriffes von Maß; dieses brauche nach der Theorie der vergelten-
den Gerechtigkeit kein ahsolntes Ttuantum, sondern cs könne ein durch
ein Strafmarimum und Minimum begränztcs sein; innerhalb der
Gränzcn konnten und sollten der Befferungs- und Abschreckungszweck
auf das Maß der Strafe einen Einfluß üben. Berner erkennt
schließlich den Nutzen aster Strafrechtstbeoriecn an und bekennt sich
zur Vereinigung des Wescnbaften jener Tbcorieen, verwahrt sich aber
gegen den Eklckticismus, dem sich jedoch keine gemischte Theorie ent-
ziehen kann.
Wir stimmen mit der Gerechtigkeitstheorie Berners überein,

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