Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

258 Schriften über Gcfängnißwcsc» v. Hagele, Diez, Ducpctiaur u. A.
nur in der Sonderhaft durch die ganze innere und äußere, gemüth-
erschütternde Lage des Gefangenen gegeben, Was nun näher an Ge-
bet und Religionsunterricht, Gottesdienst, Kirchengesang, kirchlichen
Heilmitteln, Leiden und Besuchen erläutert wird. Nach einer leben-
digen Schilderung der vielfachen Art, in der Gesicht- und Gehörsinn
auch in der Zelle beschäftigt sind, bespricht H. (II, 5. S. 189 ff.)
den Briefwechsel der Gefangenen, ihre Besuche durch Verwandte,
Freunde, Hausbeamte; er rügt in Bruchsal das Verbot des Hinaus-
sehens durch die Fensterscheiben, die Einrichtung des Sprechzimmers,
und die noch verkehrtere jetzige Beschränkung der Zahl der Besuche
durch die Angestellten, die in schroffem Widerspruch sei mit dem
früher vorgeschriebcnen Uebermaß derselben, vor Allem aber mit der
Aufgabe der Besserung und der hier unerläßlichen geistigen und ge-
müthlichcn Auffrischung, zumal für Neuangekommene und Kranke.
Die schlimmen Folgen, besonders für die geistige Gesundheit, würden
nicht ausbleiben. Trefflich spricht darüber auch Ducpctiaur
am a. O. p. 45: „II n’y a rien a retianeher de ce chef; tout le
systbme pivote sur les relations individuelles, aussi frequentes
que possible"; fehle es daran ganz oder in genügendem Maß, „et
l’organisation du rdgime ceJlulaire croule par sa base; ii ne reste
plus qu’un Instrument d’endurcissement, de torture et de deses-
poir. Ebenso rügt H., wie schon Res. (in diesen Jahrbb. IV. Bd.
S. 253; 255) gethan, die Klage Schlatter's über allzu humane
Behandlung der „gemeinen Verbrecher", die neben dem regelmäßigen
Zusatz von „Strafschärfungen" vollends ungereimt sei; endlich den
„völlig aus der Luft gegriffenen Vorwurf", den auch Suringar
im zweiten seiner angeführten Aufsätze zurückwcist: dem Bewohner
der Zelle fehle Gelegenheit zur Bcfferung und zur Bewährung der-
selben, — da sie vielmehr eine wahre „Schule der Selbsterkcnntniß,
auch für die Angestellten des Hauses sei"; er zeigt sodann sehr fein
und ad bominew, wie leicht und woran in der Zelle wahre Besse-
rung sich erkennen lasse, z. B. an der Art wie der Gefangene seine
Lage ertrage, Selbstbeherrschung übe, sich äußere, sogar an seinem
Blick, und warum auf die Dauer mit Erfolg eine Heuchlcrrolle hier
(trotz der Widerreden von Corvin und Schl alter) nicht durchzn-
führen sei. — Das (II, 7 u. 8) „von den äußeren Hindernissen
der Besserung" und „von den Entlassenen" sehr gut Auögeführtc
haben wir schon oben am geeigneten Orte erwähnt. Hier sei nur

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