Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Schriften über Gefängnißwcsen v. Häkele, Dtrz, Ducpettauru. A. 255
sich trugen, wüßte er, daß ein von ihm wie vom Ref. verehrter Vor-
steher eines Zellengefängnisses heute sein Amt niederlegen würde,
wenn die Prügel in diesem eingcführt werden sollten, so hätte er
schwerlich dieses klägliche Auskunftmittcl empfohlen, das noch nie
Gutes, wohl aber unsäglich viel Schlimmes gewirkt hat und immer
wirken wird, auch wenn eine „Prügelkommission" (S. 214) statt
eines Einzelcn entscheidet. Man hat es daher mit dem größten
Erfolg aus der Besserungsanstalt für verwahrloste und verbrecheri-
sche Knaben zu Russell (f. Niedcrländisch-Mcttray S. 24) ganz ver»
bannt und auch der würtcmbergische Ausschußbericht hat es entschie-
den verworfen HS. 54). Des Vers, kurzes „kopfab", z. B. bei
Mordbrennern, der „Volkstimmc" zu Veb', gehört zu ganz derselben
Gattung rein äußerlicher Mittel der Abschreckung und Wiedervergcl-
tung. Dem Rückfall, wie dem Zahnweh, wird dadurch freilich
gründlich vorgebeugt; doch sollte, wer sonst kein Freund solcher
Gründlichkeit ist, sich auch von derlei herkömmlichen Borurtheilen
losrcißen, gegen die auch Diez hS. 09f. 188) sich mit Nachdruck
auospricht. Darin aber mag Hägele Recht haben, daß ein Be-
schwerderecht der Sträflinge, wenn auch ohne aufschicbendc Wirkung,
doch nicht ganz ohne Bedeutung ist. Zn dem Kapitel von „Mit-
tbeilungen der Zellengefangenen unter sich" (I, 10.
S. 88—100) widerlegt er ebenso schlagend als Diez (S. 30ff.)
die Scheingründe gegen die Schildmütwn und Nummern, statt der
Namen Hs. auch diese Zeilschr. IV. S. 252; 256f.), ohne welche
von ernstlicher Durchführung des Grundgedankens der Trennungshaft
so wenig die Rede sein könne, als wenn man Gemeinschaft in der
Schule und Kirche herstclle. Schlechte Gesellschaft verderbe gute
Sitten so gewiß wie faule Aepfel die gesunden ansteckten. Nicht ein-
verstanden sind wir, wenn Hägele in dem-11. Kap. (S. 106 bis
117) „von der Gcsnndbeitpflege" Haar- und Bartwuchs in
das Belieben der Sträflinge gestellt sehen möchte (denn von der Zopf-
abschnciderci bei weiblichen Sträflingen halten auch wir Nichts),
ebenso die Art des Gebrauchs der Bäder, wenn er also einen beson-
dern Badaufseher, den Ducpctiaur federt, für uunöthig hält;
dcßgleichen besondere Sonntagklcidcr, deren Zweckmäßigkeit Diez
HS. 202) gut nachweist. Mil Recht ist er aber gegen das jetzt ziem-
lich allgemein verworfene trübe oder gar gerippte Glas und gegen
die voreilige Verbringung Kranker in Krankensäle, um so mehr alö

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