Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

252 Schriften überGefängnißwesen v. Hagele, Diez, Ducpettaur u. A.
fertigt er als ganz oder größtenteils nichtig scharf ab. Ebenso (I. 8.
S. 63 ff.) in Betreff der Kleidung, Nahrung und Arbeit. Er geißelt
hier, ganz aus unfern Gründen (in diesen Jahrbb. IV S. 252 ff.),
die jesuitischen Sofistereien Schlatter's, zumal in Bezug auf „Ver-
günstigungen", die Derselbe bet Büchern, Schreibzeug und Kost gern an-
genommen, hinsichts der eignen Leibwäsche aber ,,voll demokratischer
Seelengröße" abgelehnt habe. Hagele tadelt nicht sowohl die Kost
selbst als ihre Schmälerung durch Strafschärfungen und durch zu ge-
ringen Betrag für Schwerarbettende und rühmt die Bedeutung der nur
in der Zelle möglichen „Jndividnalisirung der Kost" für die Gesund-
heit und sogar für die Hauözucht. Nur hier habe man nicht alsbald ein
Geschrei von Seiten der Fanatiker der Gleichheit zu befürchten, wie in
der Gesammthaft, wo zudem immer Schacher und Schmuggel mit
Lebensmitteln unvermeidlich sei und z. B. die verhängte Hungerkost
zum leeren Wort mache. Sehr gut wird gezeigt wie in Arbeitsälen
der eigne Vortheil der schlecht besoldeten Aufseher ihrer allzugroßen
Strenge entgegentrete (S. 73) und wie man sich weder durch einen
künstlich gesteigerten Arbeitertrag — der, wie Bruchsal lehre, auch in
der Zelle nicht unmöglich sei — noch durch den glänzenderen Ein-
druck des gemeinsamen Gewerbbetriebs, gleich der Mehrzahl der Be-
sucher, bestechen lassen dürfe, denn dieser sei nur erreichbar durch eine
gewisse Fabrikmäßigkeit, die immer nur auf Kosten der inner» Weihe
und sittigenden Kraft der Arbeit erkauft werde. Diese aber ist auf
der Zelle ungleich größer, auch wenn sonst hier, wie mit Hagele
die Meisten annehmen, die Vortheile und Nachtheile für den Ge-
werbbetrieb sich etwa die Wage halten sollten. Das Wesentliche bleibe
die Bedeutung, welche die Gewöhnung zur Arbeit im rechten Geist,
die Erlernung eines Gewerbs oder Ausbildung in einem solchen,
wozu noch ein Antheil am Arbettverdienst hinzukomme, für „die Ver-
hinderung der Rückfälle" habe, um juristisch zu reden. Wie leicht
auch Juristen, über deren Mangel an Sachkenntniß im Gefängniß-
wesen sich Hagele (S. 66) stark aber wahr ausspricht, sogar alte
Praktiker, sich durch zierliche, wenn auch höchst unpassende, (z. B.
Knopf- und Marmorfabrik-) Arbeiten u. A. m. über die sittliche
Fäulntß der Zustände in der Gesammthaft blenden lassen und wähnen,
daß auch durch das Herumflicken an dieser wesentlich geholfen
werden könne, davon gibt z. B. das Urtheil im V. Bd. S. 20 ff.
dieser Zeitschrift abermals Zeugniß. Hätte dessen Vers, gewußt, daß

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