Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Schriften über Gcfängnißwcscn v. Hägele, Diez, Ducpetiaur u. A. 249
daß nur eine außergewöhnliche Seelenstärke hier vor dem Erliegen
und Irrwerden an der Menschheit bewahren könne. Je verzeihlicher
hier Rückfälle seien, desto weniger ergebe sich (Was namentlich Barren-
trapp S. 29 und, nebst den eben erwähnten Schwierigkeiten, Diez
S. 8; 53 ff. vortrefflich ausführt) aus kahlen Rückfallverzeichniffen —
dem einzigen Besserungsmefser, den die Juristen anerkennen wollten!
— für oder gegen eine bestimmte Haflart oder Strafanstalt; gar
Nichts beweise vollends der Arbeitcrtrag dieser letzteren, auf den doch
leider manche „Staatshämvrrhoidare" allein Gewicht legten und den
sie auch auf Kosten der höhcrn Zwecke und des sittlichen Erfolgs zu
steigern suchten, womit jener doch ohne Frage leicht in umgekehrtem
Berhältniß stehen wird; nur genaue Angaben über das ganze Ver-
halten der Entlassenen gäben hier volles Licht. Im 4. Kap. („Bruch-
sal") und im 7. Kap. des 2. Abschnitts („Aeußere Hindernisse der
Besserung") wird dieß Alles näher entwickelt und auf Bruchsal an-
gewandt. Der Vers, beklagt, — auch hierin mit Diez und dem
Rcf. in voller Uebcreinstimmung - daß man diese für die Besserung,
im Geist eines „NacherziebungSinstituts" mit großen Kosten erbaute
Anstalt immer mehr in eine einträgliche Fabrik zu verwandeln suche;
daß man nicht allein oder zunächst an verwahrlosten jungen Leuten
die Zcllenhaft versuche und zwar gleich beim ersten Schritt auf der
Verbrechensbahn, anstatt erst dann wenn sie bereits so und so oft in
Untersuchungs- und andern Gefängnissen herumgefahren und durch
Mitgefangene gründlich verdorben worden seien; daß man zumal den
ersten Diebstahl viel zu kurz strafe und nicht hier, sondern bei poli-
tisch Verurtheilten, wo es weit weniger am Platz sei, nur bedingt,
nämlich „auf Wohlverhalten während mebrer Jahre" entlasse (worüber
auch Diez (S. 64f. 165ff.) näher handelt und ganz eingehend,
wie sich unten zeigen wird, Ducpetiaur (am oben a. O. S. 91
—115); daß man nicht überhaupt schon vor Begehung eigentlicher
Verbrechen auf Antrag eines Aufsichtraths, der aus ehrenhaften geist-
lichen und weltlichen Gemeindegliedern nnd Beamten zu bilden sei,
junge Taugenichtse in einem Flügel des Hauses unterbringe (S. 173);
daß man sich, in dem Wahn dadurch dem Rückfall zu begegnen,
immer mehr der bankrotten Abschreckungsthcorie zuwende; daß man
die gesetzlichen Strafschärfungen durch Dunkelhaft und Hungerkost
nicht aufgebe, deren Verkehrtheit allerseits fcststehe, man möge nun
ihre üble Wirkung hinsichts der Gesundheit deö Leibes oder Geistes,
Krit. Zeitschrift für die gcfammte Rcchlsw. V. Bd, 17

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