Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

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Koch: Deutschlands Eisenbahnen.

der blos faktischen von den rechtlich erheblichen Momenten, eingehende
Erörterung aller praktisch wichtigen Rechtsfragen, einfache dem Gegen-
stand angemessene Sprache, und vor allem das überall hervorleuchtende
Bestreben, das reiche Detail unter einfache juristische Gesichtspunkte
zu bringen, den Standpunkt des positiven gemeinen deutschen Rechts
durchweg festzuhalten, zeichnen dieselbe in hohem Grade aus. Als
ein für die Praxis bestimmtes Wert hält cs die richtige Mitte zwischen
der allzuausführlichen Deduktion der leitenden Prinzipien, und der
bloßen Aneinanderreihung mehr oder weniger sorgfältig begründeter
einzelner Rechtssätze. Dem Praktiker ist niemals mit der ersten, dem
wissenschaftlichen ebenso wenig mit der zweiten gedient.
Auch empfehlen sich gerade dem praktischen Bedürfniß solche
Werke, welche, wie dieses, einen gewissen Kreis zusammengehöriger
Lebensverhältntsse juristisch gestalten, mögen die einschlägigen Rechts-
lehren den verschiedensten Zweigen angehören, und im System noch
so weit ausetnanderliegen. Selbst der Wissenschaft bringt es un-
mittelbare Frucht, wenn anerkannte Rechtssätze auf einen besonders
reichen Thatbestand angewendet, und so in ihren logischen und prakti-
schen Conseguenzen weiter entwickelt werden. Kann es z. B. für
das Rechtsinstitut der Expropriation an sich keinen Unterschied
machen, ob es sich um Straßen, Kanäle, Eisenbahnen, Festungs-
bauten, Bergwerke u. s. w. handelt, so ist doch der Gesichtskreis hier
bald enger, bald weiter gezogen, und damit vielfach auch die Mög-
lichkeit juristischer Ausbeute in geringerem oder höherem Maaße ge-
geben.
Das vorliegende Werk soll eine systematische Darstellung der
etgenthümlichen Eisenbahnrechtsverhältnisse liefern, trifft also in
seinem Plane wesentlich mit dem tüchtigen Preußischen E t s e u b a h n-
recht von Besselund Kühlwetter, Eöln 1855. 1857, und dem
ziemlich gleichzeitig erschienenen Deutschen E i s e n b a h n r e ch t von
Beschorner, Erlangen 1858.*) zusammen. Bon dem ersten unter-
scheidet es sich dadurch, daß es nicht das Preußische, sondern das
gemeine deutsche Recht darstellt, jedoch unter genauer Berücksichtigung
der deutschen Partikularrechte und Praxis; von beiden durch die engere
Begrenzung des Gegenstandes, indem es nicht allein die das Aktien-

*) Vgl. meine Anzeige der letzteren in meiner Zeitschrift für dar gcfammte
Handelsrecht. Bd. 1. S. 195 ff.

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