Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

212 Warnkönig: Encyclopädie btt Rechtswissenschaft u. s. w.
die Rechtsgeschichte des Alterthums, auch der römischen Welt zu einem
großen Theil ganz überflüssig ist für das Verständniß des heutigen
Rechts. Wäre der historische und der systematisch-dogmatische Theil
der Cncyclopädie energisch angelegt und consequent durchgeführt, so
würden freilich auch hier die Verfasser mehr das Ganze der einzel-
nen Gebiete erfaßt haben. Doch entsprechen hier den encyclopädischen
Anforderungen am besten noch Warnkönig und Walter, wie
Jener auch Diesem zugesteht in seiner Recension der Cncyclopädie
von Walter und A h r e n s, vergl. Schletter's Jahrbücher 3. Bd.
3. Heft. Meine Einwendungen dagegen ergeben sich ans den Be-
merkungen unter No. 3. Sind die Kapitel über Recht, Rechte,
Rechtsobject, Unrecht, Rechtsverhältnisse in der That allgemein, nicht
wie es überwiegend geschieht vom privatrechtlichen Gesichtspunkte aus,
dargestellt, so wird die Behandlung der objektiven Rechtsgebiete
(Privatrecht u. s. w.) um Vieles concentrirter erscheinen und außer-
dem durchsichtiger. Eine Charakteristik der einzelnen Rechtsgebiete
wird das Ziel sein, nicht eine Besprechung der einzelnen darin be-
gründeten objectiv-rechtlichcn Verhältnisse, die doch nur eine An-
deutung mit unklaren Ahnungen bleiben würde. Das Detail bei
Warnkönig und Walter stört nur die Anschauung des Zu-
sammenhangs; und besonders den Laien, für welchen Warnkönig
seine Cncyclopädie auch berechnet hat, während Walter (auch
Ähre ns) — was mir das allein Richtige scheint — an denjenigen
nur denkt, „welcher in und mit der Wissenschaft wahrhaft lebt" oder
sehe ich hinzu, wegen seines Berufes leben „will und kann." Von
Ähre ns durfte eine solche Charakteristik erwartet werden, da die
Anlage seines Buches ganz deutlich darauf weist. Aber hier ge-
rade läßt er uns im Stich. Seine Natur geht entschieden auf prin-
cipielle Erkenntniß, die getragen wird von einer Philosophie der
Culturgeschichte. Soweit durch die Cncyclopädie diese Seite seines
Wesens ergriffen wird und, ich will damit ein Lob aussprechen, er-
griffen werden muß, hat er den Plan getreu gearbeitet, man vergl.
z. B. die Würdigung des römischen und deutschen Rechts S. 332
und S. 517.; soweit nicht, soweit nämlich die Ecyclvpädie auch das
Besondere der Rechtsgebiete, das Eigcnthümliche jedes einzelnen,
principiell dazustellen hat, da vermissen wir bei Ährens neben
jener Charakteristik überdies das genügende Detail, worüber wir
wenigstens bei Walter und Warnkönig nicht zu klagen haben.

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