Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

186 Setter: Theorie des heutigen deutschen Strafrechts.
Verletzung eines Rechts enthalte. Es kommt dem Ref. nicht zu, die
Gründe des Verf. zu kritisiren, da er selbst dabei Partei ist. Ueber-
dem wissen wir ja schon, daß Verbrechen Handlungen sind, die den
Staatszwecken entgegentreten (cs. S. 91). Aber cs lnuß doch auf-
fallen, daß an dieser Stelle seines Buches der Vers, seine bereits
ausgesprochene Ansicht bedeutend modificirt. „Er mochte Vorschlägen",
sagt er S. 107 „vorläufig alle Verbrechen als Verletzungen von sub-
jektiven dem Staate zuständigen Rechten zu erfassen." Die Durch-
führung dieses Gedankens konnte wenn nicht an sich, doch als Brücke
zu besseren nicht ohne Werth sein. Dazu ist zu bemerken: 1) Die-
ser vorläufige Vorschlag des Verf. ist wahrlich nichts Neues; 2) er
enthält einen Widerspruch mit dem S.91 Ausgesprochenen; 9) einen
Widerspruch mit dem S. 109—107 Gesagten. Denn wenn der Vf.
dagegen polemisirt, daß das Verbrechen eine Rechtsverletzung sei, so
darf er nicht am Schlüsse seiner Polemik sagen, cs ist doch eine
Rechtsverletzung. 4) Es enthält dieser Ausspruch etwas halbes, Un-
fertiges. Der Verf. fühlt es, daß dieser Gedanke möglicherweise an
sich ohne Werth sein dürfte, also macht er nur einen „vorläufigen
Vorschlag". Die „vorläufigen Vorschläge" des Verf. dürften nun
aber dem juristischen Publikum vorläufig sehr gleichgültig sein. Wir
glauben von einem juristischen Schriftsteller verlangen zu können,
daß er so viel Achtung vor dem juristischen Publikum bat, ihm nur
dasjenige darzubieten, womit er selbst vollständig fertig geworden.
Mag immerhin die Strafrechtswissenschaft noch Vieles zu wünschen
lassen, auf einer so niedrigen Stufe steht sie denn doch nicht, daß
auch schon die „vorläufigen Vorschläge" deö Herrn Prof. Bckker ei-
nen Anspruch auf Beachtung erheben dürften. -
§.10. Civilunrecht und Ungrhorsam. Der Verf. wirft
die Frage auf: Wann ist das Civilunrecht strafbar und wann wird
es Verbrechen? Die Frage ist gleich schief gestellt. Es war nicht zu
fragen, wann das Civilunrecht strafbar sei, sondern: welches sind
die Grenzen zwischen Civilunrecht und Verbrechen? Diese Frage war
zurückzuführen auf die weitere: Welches ist der Unterschied zwischen
civilen und criminellen ckolus und zwischen civiler und crimineller
culpa? Ref. leugnet nicht, daß die Beantwortung dieser Fragen noch
zu den wissenschaftlichen Problemen gehört, ebensowenig, daß die bis-
her versuchten Lösungen mancherlei Bedenken übrig lassen. Aber mit
der Lösung, die der Verf. für diese Frage beibrtngt, kann Ref. am

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer