Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

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<3 eff er: Theorie deS heutigen deutschen Strafrechts.
Definition von Verbrechen: „Verbrechen sind diejenigen strafbaren
Handlungen, bei welchen die Strafbarkeit von dem positiven Recht
anerkannt und geregelt ist. Die Verbrechen bilden nur eine, aber
nach modernen Anschauungen die wichtigste Gruppe der strafbaren
Handlungen." Und dazu S. 95: „Betrachten wir das fetzt geltende
Recht, so finden wir sehr wenige Fälle, wo der Staat vor-
gesehene strafbare Handlungen für Verbrechen darum nicht
erklärt, weil er eine nicht von den Richtern zu bestimmende und nicht
nach Rechtsrcgcln zu bemeffendc Bestrafung beabsichtigt. Daher hin-
sichtö der als Verbrechen nicht aufgeführten Handlungen regelmä-
ßig anzunehmcn ist, daß dieselben gar nicht gestraft werden sollen."
_ Rxf. und mit ihm gewiß mancher Leser wünscht nur ein Bei-
spiel, wo eine „vorgesehene strafbare Handlung" als Verbrechen nicht
erklärt ist; Rcf. wünscht einen der wenigen Fälle kennen zu lernen,
wo die als Verbrechen ,»icht ausgeführte Handlung dennoch im posi-
tiven Rechte zu strafen ist. Dasjenige, was S. 84 von dem Gene-
ral erzählt ist, der ohne Recht und Gesetz Rebellen nicderschießen
läßt, wird uns der Vcrf. ernstlich wohl nicht rntgegenhalten wollen
und auf die S. 99, 97 angeführten Fälle kann sich der Vers, des-
wegen nicht berufen, weil bei denselben überhaupt keine und nicht
etwa eine nach bloßen Rechtsrcgcln nicht zu dcmeffende Bestrafung
eintritt. S. 98—102 wird zwischen Verbrechen und sündhaften Hand-
lungen uiiterschicden. Es genügt, den Schlußsatz der Untersuchung
mitzutheilen: S. 102 „Dabei also beharren wir; Verbrechen machen
einen Theil aus der strafbare,» Handlungen und diese wieder bilden
einen Theil der unsittlichen. Handlungen, die dem göttlichen Willen
entgegcntrcten, sind sündhaft. AnS der ungeheuren Masse dieser schei-
det sich als eine Gruppe die der von Staatswcgen strafbaren Hand-
lungen aus. Das charakteristische für diese ist, daß ihre Richtung
nicht nur dem göttlichen, sondern auch dem Staatswillen zuwider-
läuft, und daß sie weit genug in das Leben eingreifen, um das
Staatöintcrcssc zu gefährden. Von den strafbaren Handlungen aber
unterscheiden wir dann wieder die Verbrechen, bei denen positives
Recht, Gewohnheit oder Gesetz, die Strafbarkeit ausdrücklich aner-
kannt hat. Daß das positive Recht nicht alles strafbare mit Strafe
bedroht, erklärt sich theils aus der Mangelhaftigkeit der Erkenntniß,
theils auö Nützlichkeitsrücksichten." — S. 103—197 sucht der Verf.
die Ansicht zu widerlegen, daß ein Verbrechen den Angriff resp. die
flvif, Zeiischrif! fiiv gcsamime Rech'sw. V. Br, 13

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