Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

182 Bekker: Theorie des heutigen deutschen Strafrechts.
Staates, auch abgesehen von den göttlichen Vorschriften unterscheidet?
— „Was dem Staat entgcgentritt (S. 69) kann mannigfacher Art
sein." „Häufig sind es Handlungen der Menschen, denen der Staat
entgegentrcten muß". Von den menschlichen Handlungen werden die-
jenigen zur näheren Betrachtung ausgewählt, welche von den eigenen
Staatsgliedern ausgehen und denen der Staat entgegenzutreten hat,
„weil er sie als seinen Zwecken zuwiderlaufend erkennt." „Der
Staat darf seinen Unterthanen nicht gestatten so zu handeln, daß die
allgemeinen Staatszwecke dadurch gefährdet würden. Und wenn der
einzelne dennoch zum Schaden des Ganzen handelt, so muß der Staat
hiewtder reagieren. Es fragt sich wie?" Die Antwort steht S. 82:
„Wo der einzelne dem Staatswillc» zuwiderhandelt, da soll der Staat
strafen". Dieses Resultat wäre vielleicht auch ohne den Apparat von
„unterworfenen Natnrkräften", von „vernichteter oder vorausgesetzter
Freiheit", „mißbrauchter Freiheit" „allgemein menschlichem Gefühl",
„göttlichem Willen", „Offenbarung", „Sünde", „Staatswtllen re."
zu erreichen gewesen, es ist zum wenigsten schon recht bekannt, und
das neue Kleid, welches ihm Herr Bekker aufgestutzt, besteht doch
eben nur aus schon gebrauchten Stoffen. Doch nicht überall straft
der Staat, „in tausend Fällen findet der Ungehorsam gegen den
Staat keine Strafe, obwohl der kleinste Ungehorsam Strafe verdient."
„So fällt die Strafe vielfach aus, wenn der Staat auch ohne sie
glaubt anskommen und den Ungehorsamen auf anderem Wege zur Er-
kenntniß und Erfüllung seiner Pflicht bringen zu können. Renitenz
wird häufig nicht mit Strafe geahndet, nicht weil die Strafe nicht
verdient wäre, sondern nur darum, weil der Staat es seinen prak-
tischen Zwecken angemessener glaubt, die Renitenz auf anderem Wege,
etwa durch Vollstreckung der Erecution zu brechen."
Um diesen Satz beurthetlen zu können, müssen wir erst wissen, an
welche Art der Erecution der Verfasser gedacht hat, ob an die Voll-
streckung der Exekution in Folge eines rechtskräftigen Erkenntnisses,
oder an die Art der Erecution, wie sie z. B. Baiern in Kurheffen
ausübte. Mag übrigens der Verf. das eine oder das andere gemeint
haben, Ref. ersieht ans diesem Satz, daß die Ankündigung des Verf.
nur mit „groben und kecken Strichen" sein Bild zeichnen zu wollen,
nicht ausreichend gewesen ist; er liefert bedeutend mehr als er ver-
sprach. Wir werden weiter S. 84 belehrt, nur aus äußeren Grün-
den mache der Staat nicht Gebrauch von seiner Strafgewalt wider

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