Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

176 Bekkrr: Theorie de- heutigen deutschen Strafrechts.
ebenso groß sein könne wie die Schuld des andern. Darauf
aber kommt es für die Bestrafung lediglich an. — Wenn schon das
Angeführte geeignet sein dürfte, Bedenken gegen die „Unleugbarkeit"
des vom Verf. aufgestellten Satzes wach zu rufen, so wird dies noch
mehr der Fall sein, wenn wir die Worte deS Verf. selbst etwas ge-
nauer ansehen. Derselbe behauptet nicht, bet der Bestrafung des
Verbrechens käme es auf den äußeren Erfolg gar nicht an, sondern
nur, man dürfe die Bestrafung „nicht einfach" nach dem äußeren
Erfolge bemessen — in § 8 wird des Wetteren die Behauptung
ausgeführt, daß ohne Erfolg überhaupt gar nicht von einem Verbre-
chen gesprochen werden könne — er behauptet nicht, daß es bei der
Bestrafung nur auf die innere Momente der That ankomme, sondern
daß diese „vor allem" erwogen werden müssen. Er gesteht also
dem äußeren Erfolge der Handlung auch eine Bedeutung für die Ab-
messung der Strafe zu. Nun dürfte es wohl nicht geleugnet werden,
daß bei allen Tödtungen der Erfolg derselbe sei, bei gleich schweren
Verwundungen, bei Diebstählen gleicher Werlhe ebenso. Mit Bezug
auf den äußeren Erfolg Horen demnach die Verbrechen auf lediglich
individuell bestimmbar zu sein, ste lassen auch einen allgemeinen, ge-
nerellen Gesichtspunkt der Beurtheilung zu. Da nun weiter durch
die Art des Erfolges auch die Art der Schuld mitbestimmt wird —
die Schuld des Diebes ist gewiß niemals mit der Schuld des Mör-
ders oder Todtschlägers gleich zu setzen — so wird das Schuldmo-
ment deS Verbrechens ebenfalls durch den äußeren Erfolg verallge-
meinert. Wenn daher das Strafgesetz bestimmt, daß die Schuld
desjenigen, der einen bestimmten äußeren Erfolg in verbrecherischer
Weise herbeigeführt hat, so groß sein müsse, daß nur zwischen den
ausdrücklich bestimmten Strafgrenzen eine entsprechende Reaktion ge-
funden werden könne, so dürfte gegen eine solche Grenzbestimmung
kaum etwas einzuwenden sein. Wenn sich nun auch in der Praxis
die Grenzbesttmmungen der relativ unbestimmten Strafgesetze nicht
immer als ausreichend bewähren mögen, so beweist dies wahrlich
noch nicht, daß principiell überhaupt kein relativ unbestimmtes Straf-
gesetz genügen könne, daß jede Grenzbcsttmmung einmal als zu eng
erscheinen müsse, daß es nur ein Nothbehelf des Staates sei, wenn
er das kleinere Uebel der relativ-unbestimmten Strafgesetze wähle,
während principiell gar kein Strafgesetz existiren sollte. Nicht eine
innere Nothwendigkeit, so äußert sich der Verf., zwingt zur Aufstel-

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