Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Schletter: Die Konstitutionen Kurfürst August« von Sachsen. 123
des sächsischen und römischen Rechts habe ich als den Gedanken be-
zeichnet, welcher bei der Anordnung hätte zu Grunde gelegt werden
müssen. Die Jurisprudenz damaliger Zeit aber war zunächst roma-
nistrend dem sächsischen Recht gegenüber; denn als eine mildem
Sachsenspiegel und mit dem Weichbildc durchaus gleichberechtigte
Quelle galten ihr die eigentbümlich romanisirenden Glossen zu beiden
Rechtsbüchern einschließlich der Bocks dörfischen additiones. Dies
also bereits modificirte sächsische Recht hatte aber auch noch weitere
offene Angriffe zu bestehen von Seiten der zum Theil in Bologna
geschulten baldistischcn Abgeordneten und Dtkasterien. — Die Stel-
lung der Juristen zum römischen Rechte ist durch die Namen ihrer
Lehrer genügend bezeichnet. Hiernach würde ich den dogmengrschicht-
lichen Ueberblick ungeordnet haben: Sätze, in denen sich ein Kampf
zwischen römisch rechtlicher und sächsisch-rechtlicher Anschauung erken-
nen läßt, — auf der andern Seite Sätze, in denen sich eine römisch-
rechtliche Controverse entschieden siudct. Wie namentlich jener erste
Theil dann im Einzelnen bätte angeordnet sein müssen, ob nach Ma-
terien, die unserm beutigen Systeme entnommen wären ‘i ob nach
dem Systeme des Sachsenspiegels i ob nach andern Gesichtspunkten ‘i
darüber würde sich streiten lassen. Daß aber die hier vorgeschlagene
Scheidung dringend geboten war, daS scheint mir unbestreitbar: zwar
nicht der Absicht des Gesetzgebers nach, wohl aber dem heutigen Stande
unserer Wissenschaft gemäß liegt die Hauptbedeutung der Konstitutio-
nen in der Feststellung eines usus modernus speculi saxonici, wie
er aus dem Kampfe mit römischem Rechte sich entwickelt hatte; ohne
die Konstitutionen würde der Sachsenspiegel sich ebensowenig unmit-
telbarer Praxis mehr erfreuen, als der Schwabrnspiegel und andere
Rechtöbücher des Mittelalters. Raum und Zweck einer Rccension ge-
statten mir nicht, der Behauptung den Augenscheins-Beweis, dem
Plane die Ausführung anzufngcn; ich beschränke mich daher d'arauf,
die Erscheinung einzelner, mehr oder weniger willkürlich gewählter
Satze des Sachsenspiegels in den Konstitutionen zu verfolgen, selbst-
verständlich in steter Rücksicht auf das Schletter'sche Buch.
A. Textus prologi a. e. Nu a ver we bekart sin unde uns
got weder geladet hevet, nu halden we sine e unde sin gebot,
dat-ok kerstene koninge gesät hebbet: Constantin unde
Karl, an den sassen land noch sines rechten tiiit.
Bekanntlich schließt die v. B u ch'sche Glosse zum Sachsenspiegel

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