Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

122 S chletter: Die Konstitutionen Kurfürst Augusts von Sachsen.
„stituttonen zu den übrigen Rechtsqucllen" [©. 313.]. Also mit
einem Worte: ein Ueberblick wurde beabsichtigt. So lange aber
„Ueberblick" nicht gleichbedeutend ist mit „Register", so lange werde
ich behaupten, daß Schl, diese seine Absicht nicht ausgeführt hat.
Die Darstellung macht mir den Eindruck einer recht trockenen Zu-
sammenstellung, eines Repertoriums, welches als solches wieder viel^
zu breit und viel zu ungleichmäßig bearbeitet ist. In der letzteren
Beziehung stehen z. B. die Darstellungen der Pfändung und der
Bürgschaft in gar keinem Berhältniß, und förmlich überraschend sind
S. 326, Rote 1, gegen die sonst so sparsam gegebenen Citate die
Anführungen von Wilda's Strafrecht der Germanen und Osen-
brüggen's Brandstiftung! Auch der Ausdruck läßt manchmal zu
wünschen übrig, so würde ich beispielsweise Bedenken tragen, von
einer im sächsischen Weichbildc „angcdrohten" Strafe sS. 322 > zu
reden. - Um aber zum Hauptvorwurf zurückzukchren: worin liegt
der Grund, aus dem Schl, statt eines präcisen und instructiven lle-
berblicks ein trockenes und breites Repertorium zu Tage gebracht hat?
sicher in nichts Anderem, als in der Anordnung des Ganzen. Rein
äußerlich nämlich werden von Schl, die Konstitutionen erst zwar nach
Privatrecht, Lehnrecht, Civtlprozeß und Crtmtnalrecht, dann aber die
privatrechtlichen wieder in drei Gruppeir gctheilt, „je nachdem sie —
„überwiegend oder ausschließlich — römisch-rechtliche Sätze | § 1],
„[unter denen z. B. auch die gesammte Hand bei der Bürgschaft ab-
„gehandelt wird! ], oder deutsch-rechtliche Sätze und Institute [ § 2],
„oder „sächsisch-rechtliche Rechtsbtldungen" enthalten. Eine solche An-
ordnung ist zum Nachschlagen allenfalls geeignet, für die Geduld deS
Lesers aber tödtlich. Es fehlt ihr an einem das Ganze durchziehen-
den Gedanken, durch den der Leser auf den Standpunkt des „Ueber-
bltcks" versetzt würde. Dieser Gedanke konnte gar kein anderer sein,
als die Frage nach dem Berhältniß der Konstitutionengesetzgcbung,
bezüglich ihrer Faktoren, der RechtSausübung und Rechtswissenschaft
damaliger Zeit, zu den Quellen des sächsischen und denen des römi-
schen Rechts. Die Beantwortung dieser Frage, die sich ohne Mühe
aus der ganzen Darstellung von selbst hätte ergeben müssen, hat
Schl, auf einen magern Schlußabschnitt [S. 342—349] vertagt,
aus den denn ganz natürlich im Laufe der dogmengeschichtltchen Cha-
rakteristik unendlich oft verwiesen wird. —
Das Berhältniß der damaligen Jurisprudenz zu den Quellen

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