Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

118 Schlettcr: Die Konstitutionen Kurfürst Augusts von Sachsen.
sehr man die letztere auf das nothwendtgste Maaß zu beschränken
bestrebt war: zeigt recht deutlich das Votum der Hofgcrichte über die
für die Strafe der Gotteslästerung sconst. IV. 2. J vorgeschlagenen
Milderungsgründe: ^Voturunt Aulici, daß solches solle aus
„und in dispositione juris communis gelassen wel-
chen, et debet sola dementia considerari, non autem ebrietas et
„calor iracundiae.“ sSchl. S. 134, Note 4]. Auf diesem Wege
ist die civilrechtliche sächsische Gesetzgebung bisher fortgegangen1V) und
das materielle sächsische Civilrecht darf wahrlich den Vergleich mit
den Codisicationen namentlich auch mit dem preußischen Landrechte
nicht scheuen. Der Mangel der sächsischen Justiz liegt in dem schlep-
penden Prozeß, nicht im materiellen Recht, und konnte man daher
nur wünschen, daß Schlctterö Wunsch — die sächsische Gesetzgebung
mochte der „weisen Beachtung des organischen Entwicklungsganges
der RechtSbildung" nicht uneingedenk werden, j S. 349. | beherzigt
würde. Indessen sind die Würfel nun wohl schon auch in Dresden
zu Gunsten einer Codisication gefallen!
Die Konstitutionen entschieden aber weiter die vorgelegten Streit-
fragen nicht nach einer gesetzgeberischen Laune, nicht im Interesse
augenblicklicher Wünsche der Zeit sdes Handels, der augenblicklichen
Ansichten über Humanität u. s. w.j, sondern in engem Anschlüsse an
die Wissenschaft. Verhältnißmäßig selten hat sich Cracau erlaubt,
den Vorschlägen des meißner Convents seine Ansicht zu substituiren.
Hiernach kann es denn auch nicht befremden, daß die Bedeutung der
Konstitutionen von 1572 wett über die von bloßen Territvrialgesctzen
hinausreichte. Die Schöppenstühle und Facnltäten Sachsens konnten
gewiß keinen Anstand mehr nehmen, wissenschaftliche nach Verein-
barung mit ihren eigenen Abgeordneten getroffene Eontroversenent-
scheidungen bei der Aburtelung auch auswärtiger, nicht sächsischer
Rechtssachen zu adopttren. Nur soweit jene Entscheidungen auf Sach-
14) Nur mancher Orten war man wohl mit gesetzlichen Controvcrsencnt-
scheidungen zu freigebig. In Weimar z. B. entschied sich ein Gesetz vom 16.
April 1833 für das dies interpellat pro homine, dasselbe Gesetz legte dem Ber-
klagten den Beweis bet der act. negatoria auf. Ein Gesetz vom 23. dess. M.
erklärte ausdrücklich, daß auch daS mandatum qualificaluin einer Ehefrau als
Verbürgung anzusehen sei. Ein Gesetz vom 26. März 1839 verneint daS Er-
forderntß der bona fides für die Klagvcrjährung und verfügt, daß nach der Ver-
jährung naturalis obligatio zurückbletbe u. s. f.

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