Full text: Volume (Bd. 5 (1859))

Schletter: Die Konstitutionen Kurfürst August- von Sachsen. 107
I.
Der Rechtszustand Kursachsens nach der Mitte des 16. Jahr-
hunderts hatte seine ganz entschiedenen Vorzüge vor dem anderer
deutschen Länder: anderwärts machten eine Anzahl von Statutarrechten
den Verkehr schwierig und unsicher, in Sachsen bewahrte hiervor das
Vorhandensein einer gemeinsamen geschriebenen und doch nicht „codi-
ficirten" Rechtsquelle des alten Sachsenrechts, d. h. des Sachsenspie-
gels und sächs. Weichbilds, soweit und wie dieselben von der Rechts-
übung angewendet waren *). — Aber eben diese Rechtsübung, die
Praxis der Erbgerichte, Rathscollegien, Schöppenstühle, Facul-
tätcn, Consistorien und Hofgerichte, litt doch auch an einem Uebel-
stande, der einer Abhülfe dringend bedurfte: die Richter wandten
als subsidiäres Recht das römische an und zwar das römische Recht
nicht, wie es die humanistische Richtung, die sich in jenem Jahrhun-
dert hcrvorthat, s Alciatus. Zasius.^ lehrte, d. h. quellenmäßig, sondern
so, wie es Anhänger der von Savigny im XI^VII. Kapitel seiner
Rechtsgcschichte charakterisirten Richtung der Bartolus, ,Baldus,
Jason anwenden mochten. Kam hierzu noch ein Fortgehen auf dem
von den Glossatoren des Sachsenspiegels etngeschlagenen
1) Rücksichtltch dcr Bedeutung der Ausdrücke „sächsisches Recht", „sächsische
Rechte" „lantübliche sächsische Rechte" befolgt Schl, tu dcr Einleitung die ältere
von Leuber, Hartm. Pistoris, Coler, Carpzov, Kind und WetSke
vertretene Ansicht gegen die neuere von der Sächsischen PrariS adopttrte
Meinung. Schl.'S Behauptung, daß Sachsenspiegel und Weichbild nur insoweit
gelten, als sic von dcr Rechtsübung anerkannt sind, daß also die Rechtsübung
ein in diesem Sinne wesentlicher Thcil des SachsenrcchtS sei, ist sicher richtiger,
als die dcr sächsischen PrariS, daß, wer sich auf Sachscnsp. und Weichbild
berufe, fundatam intentionem in jure für sich habe. Unter seinen Gewährs-
leuten hätte <Lchl. auch noch Eich mann sylloge observ. prisci iuris Saxon,
obs. I. 1827. und die erneuerte Ordnung des Leipziger Schoffen-
st u h l S v. I. 1574 f„sinlcmal sie erachtet, daß dcr Gebrauch des üblichen Sächs.
Rechts zum Theil darauf", nämlich auf dem GertchtSgebrauche, „stünde und ge-
gründet wäre"] anführen kennen. Ebenso muß man wohl wegen der Geltung
des Weichbilds Schletter gegen Wciske sSchl. 7. N. 1. — 8. R. 4} beisttmmen.
Dagegen scheint die Beschränkung des Ausdrucks „gemeine sächsische Rechte"
auf das sächsische Recht nicht-sächsischer Länder sS. 19] mit dem von Schlet-
ter selbst sS. 18] mindestens für die Ernesttntfchrn Lande Zugegebenen nicht
wohl vereinbar. „Gemeine sächsische Rechte" bezeichnet vielmehr gewiß nur
die in gemeinsamer Rechtsübung aller Länder s. R. stehenden Sätze des Sach-
senspiegels und Weichbilds, sowie die gemeinsame Rechtsübung dieser Länder selbst.

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