Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

582 vr. E. Osenbrüggen, Kasuistik deS CriminalrechtS.
mit außer seiner Abneigung gegen den Verfasser nur seine eigene
Nichtbefähigung, darüber zu urtheilen.
Die Auswahl der Fälle kann man nur vollständig billigen.
Um so weniger haben wir einen Grund uns darüber zu beschwe-
ren, da die Fälle zum großen Theil dieselben sind, die wir aus den
zugänglichen Einzelsammlungen für Criminalpraktika zusammen-
gewählt hatten. Einige interessante Fälle aus den Ostseeprovinzen
und der deutschen Schweiz erscheinen hier zum ersten Mal gedruckt.
Der Vers, hat sich bewogen gefühlt, Fälle aus dem Kreise der
politischen und UnzuchtS - Vergehen nicht mit aufzunehmen. Wir
wissen recht gut, wie groß die Schwierigkeiten sind, welche in
manchen politischen Prozessen einer unbefangenen juristischen Wür-
digung entgegenstehen, und daß mit der andern Gattung nicht
selten ein des Verhältnisses von Lehrer und Lernenden unwürdiger
Mißbrauch getrieben worden ist. Allein weder die Schwierigkeit
des einen noch die Anrüchigkeit des andern Unternehmens recht-
fertigen nach unserer Meinung diese Unvoüständigkeit der Samm-
lung, und der Vers, hat hierin zum Nachtheil der Wissenschaft
seine Kräfte unterschätzt. Gewiß wäre ihm möglich gewesen, rein
juristische Punkte aus der Hochverraths- und AufruhrSlchre in
Fällen vorzulegen (denn nicht jeder Fall der Art ist auch zugleich
ein Janus mit einer rechtlichen und politischen Seite) und ebenso
würde er auch einige Fälle haben auswählen können, in denen die
wenigen wichtigen Fragen aus dem Gebiet der Unzuchtsrergehen,
das sich nach unserer unmaßgeblichen Meinung in den deutschen
Strafgesetzgebungen noch immer viel zu breit macht, in unan-
fechtbarer Weise zur Verhandlung kommen.
Die Anordnung des Stoffes ist einfach die, daß Fälle aus
einer und derselben Verbrechenslehre zusammengestellt werden. Mit
Recht hat der Vers, den nach der Vorrede erst gefaßten Plan fallen
lassen, eine Scheidung nach den Lehren des allgemeinen und be-
sondern Thetls etntreten zu lassen. Die Unmöglichkeit davon liegt
ebenso klar zu Tage, als die Unrichtigkeit.
Während stets angegeben ist, woher der betreffende Fall ge-
nommen ist, hat der Verfasser noch einen Apparat für die Be-
urtheilung hinzugefügt. Dieser besteht in Hervorhebung der Gesetzes-
norm, welche bei dem wirklichen Entscheiden des Falls zu Grunde

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