Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

55. Osenbrüggen, Casuistik des Criminalrechts

580 Dr. E. Ösen brügg en, Casuistik deS Criminalrechts.
der römische Bürger nicht durch seine eigene Disposition entziehen.
Das Eigenthumsrecht kann nicht etwa willkührltch durch Verfü-
gungen , womit der Eigenthümer seine Sache belastet, abgeschwächt
werden, wodurch ein krüppelHaftes, moralisch und ökonomisch sieches
Eigenthum entsteht; die Servituten, mit denen das Eigenthum
im älteren Recht allein beschwert werden kann, sind auf ein siche-
res ungefährliches Maas; zurückgeführt. Auch hier wieder liegt
ein vollkommener Gegensatz gegen das deutsche Recht.
Obgleich nun so der römische Staat das Individuum auf eigne
Füße stellte, so weist uns der Vers, doch darauf hin, wie er das-
selbe nicht lieblos sich selbst völlig überließ, sondern in jeder Weise,
namentlich für die Armen Fürsorge zu treffen suchte. Dabei konnte
er freilich das Proletariat — der Vers, zeichnet vortrefflich die
Gründe seines Ueberhandnehmens namentlich durch das Sklaven-
wesen — nicht beseitigen.
Denselben Freiheitsdrang, der sich im Privatrecht offenbart,
sucht IHering in der Machtstellung der Magistrate. Er schließt
mit Betrachtungen über die historische Bedeutung deS römischen
Systems der Freiheit, er findet mit Recht in ihm die Quelle des
Privatrechts.
Nur ein dürres Resume über ein Buch, das von Leben und
Ideen erfüllt ist, war mir hier möglich zu geben. — Die Zeit zu
einer Beurtheilung des Ganzen ist noch nicht gekommen. Gar
manche Fäden sind in unscrm Theil erst angesponnen, es bedarf
Vieles erst noch der Ausführung. Möge es dem Verf. vergönnt
sein, die Fortsetzung bald liefern zu können.

Dernburg.

Casuistik des Criminalrechts. Von l)r. Eduard Oscnbrüg gcn,
Professor der Rechte an der Universität Zürich. Schaffhauscn. Verlag der
Fr. Härtcr'schcn Buchhandlung. 1854.
Während man bei rein theoretischen Werken auf die bloße
Lcctüre hin sein Urtheil abschließen kann, verlangen Arbeiten, die
wie die vorliegende der Praxis hier der academischen dienen wollen,
eine praktische Probe, vorausgesetzt, daß der Kritiker überhaupt

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