Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Rudolph Jhering, Geist des römischen Rechts. 579
bildet nur eine persönliche Verbindlichkeit des Besitzers, ist aber
an sich jedenfalls formell — und dies ist hier allein wichtig —
keine Beschränkung des Eigenthums selbst.
Nicht minder offenbart sich die Selbstherrlichkeit des Römers
in der hausherrlichen Gewalt. Er herrscht rechtlich unbeschränkt
nicht nur über Sklaven, sondern auch über Kinder und die Frau in
manu. Das Verhältniß artete dabei nicht in wüste Tyrannei aus,
die Sitte hielt es in Schranken. Daß man sich noch in der au-
gusteischen Zeit die Strafgewalt des Herrn über die Sklaven
als im Dienst wahrer Gerechtigkeit stehend dachte, beweist, wie
mich dünkt, am schlagendsten die Bestimmung der Aelia Senlia,
wonach bestrafte Sklaven, die später freigelaffen wurden, nur
dediticia libertas erhalten konnten. UebrigenS hat der Verf. die
interessantesten Untersuchungen über alle diese Verhältnisse ange-
stellt , er zeigt uns das innere Leben des Hauses, wie es sich erimirt
von Rechtsregeln selbstständig entwickelt, er führt uns auf der
andern Seite zu tieferem Verständniß des gesetzlichen Namens,
unter dessen Schutz es sich bildet. Ein specieller Punkt scheint
mir namentlich der Hcrvorhebnng werth. Die 12 Tafeln bestim-
men, daß der Sohn, den der Vater dreimal verkauft habe, frei
sein solle. Wie konnte es nun im Leben zu einem dreimaligen Ver-
kauf kommen ? Dies ist eine Frage, die sich wohl schon Mancher
aufgeworfen hat. Der Verfasser beantwortet sie, indem er dar-
auf aufmerksam macht, daß das in solcher Weise begründete Man-
cipium mit jedem Lustrum anfhören konnte (S. 190). Wich-
tig scheint dann namentlich auch die Betrachtung über die Ehe
sine manu.
Der Verf. geht darauf dazu über, den inncrn Character der
römischen Freiheit mehr ins Auge zu fassen. Die privatrechtliche
Freiheit ist, wie er zeigt, bei den Römern nicht bloß ein Gut
der Person, das sic willkührlich aufgeben könnte; eö ist eine ob-
jective, unzerstörbare Eigenschaft der Rechtsinstitutc; sie hatte ihre
Schranke in dem Zweck der Rechtsinstitute selbst. Die Freiheit
eines römischen Bürgers ist daher nicht aufhebbar, er kann durch
Vertrag nicht Sklave werden, die Freiheit der Ehe und ihrer
Trennung kann keinen Schranken durch Privatberedungen unter-
worfen werden. Das Recht, ein Testament zu errichten, kann sich

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.

powered by Goobi viewer