Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Mommsen, Beiträge zum Obligationenrecht. 545
zuerst die letztere Unterscheidung angeht, so wird sie Niemanden
einleuchten. Was ist für ein Unterschied zwischen dem Fall, wo
der Schuldner das geschuldete eigene Pferd, und dem, wo Ze-
mand ein fremdes Pferd verletzt, und dasselbe in Folge schlechter
Behandlung des Arztes stirbt? Und doch soll der Erste haften,
der Letzte nicht. Der Verf. hat den Fall im Auge, wo der Miether
die gemiethete Sache contractöwidrig auf einer Reise mit sich führt,
und dieselbe ihm dann durch Räuber abgenommen wird; darauf
bezieht sich wohl die Voraussetzung des wissentlichen Handelns
gegen den Contract, die er macht. Aber er wird selbst nicht geneigt
sein, in dem Falle, wo dem Schuldner eine bloße Fahrlässigkeit zur Last
fällt, eine andereBeurtheilung eintretenzu lassen. Dann aber ist auch
überhaupt die ganze Unterscheidung zwischen Erfolg und Folgen,
welche der Verf. macht, unhaltbar. Für den Tod des Sclaven
soll der Verwundende nicht haften, weil er ihn nicht hat voraus-
sehen können, wenn er ihn aber hat voraussehen können, auch
für den Schaden, den der Eigenthümrr dadurch erleidet, daß er
den Sclaven unter einer hohen Conventionalstrafe versprochen hatte,
wovon Jener doch gar nichts wußte ? Wo ist hier der Unterschied?
Und wenn Jemand nun sagen wollte, der rechtswidrige Erfolg ist
nicht der Tod, sondern die Verwundung; jener ist nur eine Folge
von dieser — wie dann? Der Verf. ist offenbar durch den von
ihm aufgestellten, schon oben gerügten Begriff der zum Ersatz ver-
pflichtenden Thatsache irre geführt worden. Die zum Ersatz ver-
pflichtende Thatsache ist hier das Delict und nichts Anderes; ent-
weder muß man nun dem Delinquenten alle Folgen desselben zur
Last legen, und dann auch den Tod des Sclaven, oder nur die-
jenigen , die innerhalb der Berechnung lagen, und dann nicht bloß
den Tod nicht.*) — Wenn ich nun davon überzeugt bin, daß des Verf.
Erklärung der l. 52. pr. cit. nicht die richtige ist, so möchte ich meine
*) In den Zusätzen (S. 300) hat, wie ich nachträglich sehe, der Ver»
fasser der Sache eine andere Wendung zu geben gesucht: es komme darauf
an, das eigentliche Delict zu bestimmen, weil nach dem Zeitpunct desselben die
Berechnung des Interesse vcrgcnommcn werde. Ein Delict der Tödtung aber
liege nur dann ver, wenn der Tod habe vorhergcschcn werden können. Ich
halte den Satz, welchen der Vers, hier zu Grunde legt, — über die Zeit der
Berechnung de- Interesse — für irrig, wie unten nachgewiesen werden soll.

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