Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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Mommscn, Beiträge zum Obligationenrccht.

seinen Gnnsten hervorgehoben werden mußte, ist auch hier zu wieder-
holen, daß er es mit einem seiner Natur nach widerspenstigen Stoffe
zu thun hatte. — Die Resultate, zu welchen er gelangt ist, sind
nicht durchweg neu zu nennen; jedoch ist schon das als ein Ver-
dienst anzuerkennen, daß er eine Lehre, deren bisherige monogra-
phische Behandlungen so ungenügend sind, auf Grund der von der
neueren Wissenschaft erzielten Fortschritte, in ihrem ganzen Zusam-
menhang einer über die Bezeichnung der obersten Grundsätze, wie
sie auch in Lehrbüchern möglich ist, hinausgehenden Darstellung
unterworfen hat. So gehört auch diese Abtheilung seines Werkes
ohne Zweifel zu den erfreulichsten Erscheinungen der neueren civi-
listischen Literatur.
Die Schrift zerfällt in vier Abhandlungen. Die erste (S. 1—55)
beschäftigt sich mit dem Begriff des Interesse und mit der Termi-
nologie; die zweite (S. 59— 114) beantwortet die Frage, in wel-
chen Fällen das Interesse, in welchen der reine Sachwerth geleistet
werden müsse; die dritte (S. 117 — 251) ist der näheren Bestim-
mung des Umfangs des Interesse gewidmet; die vierte (S. 255
— 295) gibt neben Bemerkungen über die Eintheilung in directes
und indirectes Interesse, Interesse cires und extrs rem, eine
Darstellung der abweichenden Berechnung des Interesse bei doloser
Rechtsverletzung.
I. Der Verf. definirt das (juristische) Interesse als „die Diffe-
renz zwischen dem Betrage des Vermögens einer Person, wie der-
selbe in einem gegebenen Zeitpunkte ist, und dem Betrage, welchen
dieses Vermögen ohne die Dazwischenkunft eines bestimmten beschä-
digenden Ereignisses in dem zur Frage stehenden Zeitpunkte haben
würde." Er bemerkt mit Recht, daß cs nicht zum Begriffe deS
Interesse gehöre, daß dasselbe den Gegenstand eines Forderungs-
rcchtes bilde, und daher dieses Moment in die Definition nicht mit
ausgenommen werden dürfe, wenn auch nur unter Voraussetzung
desselben jener Begriff praktische Bedeutung habe (S. 5, 6). Eben
so unrichtig sei es, in der Definition anzugeben, daß das Interesse
sowohl den erlittenen Schaden als den entbehrten Gewinn umfasse,
da das zur Bezeichnung des Umfangs, nicht jdes Inhalts des
Begriffs gehöre (S. 12). Ferner sei es unrichtig, das Interesse
als etwas in Gelbe zu Schätzendes zu defintren, da es einer

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