Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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Bluntschli, deutsches Privatrecht.

Fällen das Erbrecht der sonstigen Erben neben dem Wittling be-
reits seine Stelle. Das deutsche Erbrecht erscheint auch in der That
nur als ein Anhang oder vielmehr als eine Fortsetzung des Fa-
milienrechts. „Die ganze Erbfolge wird nach deutscher Vorstellung
nicht von dem Jndividualwillen, sondern von der festen Ordnung
des Familien- nnd Blutsverbands bestimmt." 8vlus deus dsere-
dem kseere pvtest.
Nachdem B. die Gliederung der deutschen Familie und der
deutschen Parentelordnung im Gegensatz der römischen, wo nur die
physische Zeugung und die Zahl der Zeugungen in Anschlag
kommt, dargestellt und die einzelnen Theile der Erbschaftsmasse
betrachtet, kommt er zum Uebergang der Erbschaft, welchen wir
in Verbindung mit den Arten der Vererbung — absehend von
der gesetzlichen Familienerbfolge — allein etwas näher beschauen
wollen.
Nach röm. Recht kam es beim Uebergang der Erbschaft, wie
zunächst bei der Erbfolge überhaupt auf den Willen des Erb-
lassers, so auch auf den Willen des Erben an, welcher durch
Wort oder That die Erbschaft antrat. Nach deutschem Recht fällt
dieErbschaft von Rechtswegen dem Erben an. Doch war der
Erbe nicht genvthigt, die Erbschaft zu übernehmen; er konnte sie
auch ausschlagen. Der deutsche Grundsatz bezüglich des Erbschafts-
übergangs ist der bekannte: der Todte erbt (das ist: setzt in Besitz)
den Lebendigen. Durch das Eindringen der rom. Lehre über Erban-
tritt wurde das ältere deutsche Recht eines Anfalls der Erbschaft
an den Erben ohne Antrittserklärung in Deutschland keineswegs
verdrängt. Die neueren Gesetzgebungen sprechen sich im Gegenthetl
mit Bezug auf die regelmäßige gesetzliche Erbfolge für das deutsch-
rechtliche Princip aus und fordern höchstens einen Antritt von
Seite des Erben, wo derselbe nicht schon als natürlicher Erbe,
sondern durch den Willen des Erblassers in einem Testament oder
Erbvertrag dazu berufen wird (Preuß. Landr. l. 9, §. 367, §. 406.
Cod. civ. %. 724, §. 773. Oesterr. G. §. 537).
Besondere Beachtung nehmen die deutschen Arten der Erb-
schaftsübertragung in Anspruch, das Erbgedinge und das Geschäfte
(Testament). Die gesetzliche Familtcnfolge, sowie das Erbrecht
des Herrn an der Verlaffenschaft seines Hörigen (Besthaupt), dann

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