Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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Bluntschli, deutsches Privatrecht.
wie in manchen Statuten das Eherecht dadurch gesichert worden,
daß letztwillige Verfügungen, durch welche dasselbe beeinträchtigt
wird, für ungültig erklärt werden. In diesem Falle erhält das
Eherecht ganz oder theilweise die Natur eines Pflichttheils.
So trefflich und bündig B. das System der deutschen Güter-
trennung zumal in ihrem Unterschiede vom röm. Dotalsystem be-
handelt hat, so wenig befriedigend das der Gütergemeinschaft.
Hier fehlen vollends bestimmte Begriffe sowohl über die Natur
des Instituts im Allgemeinen, als namentlich über die unterschei-
denden Merkmale einesthcils innerhalb der Gütergemeinschaft selbst,
anderntheils in ihrem Verhältniß zur Gütertrennung.
Um für die Gütergemeinschaft im Allgemeinen feste Begriffe
zu gewinnen, ist cs vor Allem unerläßlich, auf die Geschichte etwas
weiter einzugchen, als es B. für nöthg befunden hat. Die von
B. gelieferte Skizze hebt die entscheidenden Momente in der Ent-
wicklung derselben viel zu wenig hervor. Abgesehen von dem Auf-
kommen der Erbfähigkeit der Weiber am Grundeigenthum und der
Entstehung des Erbguts im neuern Sinn zum Unterschied von
Eigen (Eichhorn, R. G. §.451) ist doch vor Allein hervorzu-
heben, wie die Gütergemeinschaft nicht nur dem Namen, sondern
ihrem innersten Wesen nach zunächst den Verhältnissen nach Tren-
nung der Ehe ihren Ursprung zu danken hat, wobei wir nur
auf die kurze und doch erschöpfende Darstellung in Phillips'
Privatrecht verweisen. Es ist um so mehr zu verwundern, daß B.
die Verhältnisse nach Trennung der Ehe nicht auch bei der Güter-
gemeinschaft zum Ausgangspunkt gemacht hat, da er doch bei der
Güterverbindung die Nothwendigkeit hievon erkannt hat.
B. sucht vor Allem das Recht der beiden Ehegatten an dem
ehelichen Vermögen während der Ehe begrifflich zu fixiren,
und findet die Lösung aller Schwierigkeiten in der Annahme eines
Gesammteigenthums. Das Unzureichende dieser Ansicht zeigt sich
namentlich darin, daß B. später ein Tcstirrecht der Ehegatten,
wie bei Miteigenthum, annehmen muß. Dieses steht aber schon
mit der ganzen geschichtlichen Entwicklung der Gütergemeinschaft,
welche von Ehestiftungcn als Erbverträgen der Ehegatten aus den
Weg in die Stadtrechte gefunden hat — wofür sich Beispiele aller
Orten finden; ich verweise nur auf das krivilegiunr Albertinum der
Krit. Zeitschrift für gelammte Rcchtsw. IL Ld. 34

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