Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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Bluntschli, deutsches Privatrccht.
Später ging die Klage auf das Interesse, wo dann der Be-
klagte bei bedungenen Diensten gleichfalls entschieden die Wahl
zwischen Prästation des Dienstes oder das Interesse hatte. Das
Halten an die Person unmittelbar scheint, wo eS vorkam, wohl
auf besondere gesellschaftliche oder dienstliche Verhältnisse zwischen
Schuldner und Gläubiger gegründet zu sein.
Zm folgenden Capitel von den Verträgen sind namentlich die
Vertragsformen klar dargestellt. Auf Erörterungen über die Fälle,
in denen auch jetzt noch in legislativer Beziehung Formvorschriften
bei Verträgen empfehlenswerth sind, läßt sich der Verfasser nicht
besonders ein. Nur gelegentlich bei Besprechung des franz. und
preuß. Gesetzbuchs in diesem Punkte äußert er sich, es sei in
Uebereinstimmung mit der Sitte, wenn für Verträge über Ver-
äußerungen oder Verpfändungen von liegendem Gut eine schrift-
liche Form gefordert werde und ganz passend, die Klagbarkeit von
Schenkungsvcrsprechen von gewisser Große von derselben Form ab-
hängig zu machen. Der Vertrag über liegendes Eigen bleibt hie-
nach so weit gültig, daß er das Recht auf schriftliche Fertigung
gewährt. Daß sich B. nicht weiter auf diesen so wichtigen Gegen-
stand eingelassen hat, ist in einem Lehrbuch nur zu loben und in
allen Fällen ist ohne principielle Begründung hier wenig Erkleck-
liches zu leisten. B. nennt die Formlosigkeit der Verträge nur im
Allgemeinen ein Nebel, an welchem unsere Praxis und Jurisprudenz
vielfach leidet und stellt sich hiermit im Gegensatz zu so manchen
Beurtheilcrn der neuesten Versuche deutscher Gesetzgebung, nament-
lich der sächsischen, welche in den Formvorscheiften gern nur eine
Bevormundung der Untcrthanen sehen.
Erwähnung verdient noch des Verfassers Darstellung der Er-
satzpflicht des Schuldners und der Uebernahme der Gefahr. Hier
wird als Eigenthümlichkeit des deutschen Rechts hervorgehoben,
daß eS die Ersatzpflicht des Schuldners über den Kreis des ver-
schuldeten Untergangs der Sache auch auf zufälligen Untergang
derselben auSdehne; Regel ist, daß in solchen Fällen der Schuldner
die Gefahr zu tragen hat, wobei aber die Ausnahmsfälle wohl zu
berücksichtigen sind. Wer sich die Ueberlassung einer Sache zum
Gebrauch bezahlen läßt, z. B. der Vermiether bei der Sachenmiethe,
trägt in der Regel die Gefahr« Wer dagegen wie der Commo-

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