Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

502 Warnkönig, Juristische EncyclopLdie.
darzulegen, und indem man diese Methode auf alle Gebiete des
Rechts anwandte, wurde dasselbe in all seinen lebendigen Bildun-
gen und Gliederungen aufgehellt, so daß man ihre organische
Entwickelung von den ersten Anfängen bis zur Entfaltung und
Anhäufung ihres jetzigen Inhalts zu überschauen vermochte. Diese
historische Methode lehrte das Recht als einen lebendigen Orga-
nismus erkennen, vor dessen eigenem selbstständige» Leben, vor
dessen erdrückendem Reichthum, die Geister und Hände derer er-
lahmen sollten, welche frei schöpferisch neu- und umbildend hinein-
greifen wollten.
Der Verfasser hat die außerordentlichen Errungenschaften der
deutschen Rechtswissenschaft des neunzehnten Jahrhunderts in jedem
einzelnen Fache nachgewiesen, und dabei eine Uebersicht über die
Entwickelung und Ausbreitung unserer gesummten RechtSliteratur
gegeben, in welcher die bedeutenderen Schriftsteller und Werke
wohl hervorgehoben sind. Noch dankbarer sind wir ihm für den
Nachweis des Einflusses, den die neuere deutsche Rechtswissenschaft
auf das Rechtsstudium im Auslande gehabt hat. Wie einst die
französische Literatur auffällig auf andere Völker einwirkte, so
lassen sich, und das macht diese Wahrnehmung für uns doppelt
anziehend, in allen Ländern genau die ersten Spuren und darauf
die kräftigere Entwicklung einer deutschen Schule in Wissenschaft,
Philosophie und theilweise auch in schöner Literatur verfolgen. In
Bezug auf die Schweiz, Rußland, Holland, Belgien,
Frankreich, Spanien, Italien, Dänemark, Schweden
und Schottland macht uns der Verfasser mit dem Stande des
dortigen Rechtsstudiums, mit dem tief eingreifenden Einfluß, den
darauf die deutsche Rechtswissenschaft übte, und mit den Männern,
Werken und Zeitschriften bekannt, welche diesen Einfluß vermit-
telten. Unserer Meinung nach hätte der Verfasser hier noch weiter
gehen können. Seine eigenen Verdienste um die Ausbreitung deut-
scher Rechtswissenschaft in Belgien, diesem „Missionslande für die
deutsche Wissenschaft" und in Frankreich hätte er viel stärker her-
vorhebcn dürfen. Amerika ist gar nicht berücksichtigt. Als Re-
ferent die Vereinigten Staaten besuchte, wurde dort ein Versuch
von einer Uebersetzung von Mackelday's Lehrbuch gemacht, dieser
schlug zwar fehl, aber dennoch macht sich die deutsche Rechtswissen-

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