Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Warnkönig, Juristische Encyclopädie. 493
Gegensatz geblieben, in Folge dessen sei die letzte von Neuern ganz
aufgegeben und eine s. g. historische Rechtsphilosophie versucht,
welche ebenso wenig zur Herrschaft gelangt sei, als die socialisti-
schen Versuche der Franzosen.
Zm letzten Kapitel der ersten Abtheilung wird der „Ueber-
gang zur historischen Rechtsbeleuchtung" gemacht und
anseinandergesetzt, wie die Rechtsentwicklung vom bloß subjectiven
Meinen und vom Nothrecht zum Gewohnheitsrecht mit seinen
Rechtssprüchwvrtern gelangte, darauf zur Aufzeichnung des Volks-
rechts in Weisthümern und Rechtsbüchern, und endlich zur dritten
Stufe fortschreite, auf welcher die Rechtswissenschaft herrsche als
eine hohe und freie Kunst der Sachverständigen. Diese bringt
dann im gesammten Rcchtszustande des Volkes eine Umwälzung
hervor, weil die Juristen die alleinigen Pfleger und Leiter der
Rechtsentwicklungen werden. Sobald aber die Juristen nicht mehr
der wahre Ausdruck des Volksrechtö sind, und ihre Kunst eine
Geheimlchre wird, oder der rcchtsbildende Sinn des Volkes ab-
stirbt , geht die Rechtswissenschaft ihrem Untergange entgegen.
Gleichsam in der Luft schwebend hat sie dann im Bewußtsein des
Volkes keinen Anhalt mehr, und es tritt ein Zustand ein, wie
wenn einem Volke ein fremdes Recht aufgezwungen wird. Der
Verfasser knüpft die Frage daran, ob man nicht die Blüthczeit des
Rechts durch Codification fcsthalten könne? Er verneint dies, weil
ein Gesetzbuch nur ein Abbild des Rechtölebcns, nicht dieses selbst
sei, wohl aber lähmend darauf einwirke. Nur aus äußeren Grün-
den könne zu Zeiten die Codification gerathen sein. Bei dieser
Frage ist nicht genug hervorgehoben, bei welchem Stande seiner
Rechtswissenschaft das Volk selbst sich am besten befindet. Das
Juristcnrecht stellt sich häufig gleichzeitig mit dem Verfalle der
lebendigen Volkskraft ein. Den Schluß dieses Kapitels bildet die
Erörterung, wie die lokalen und nationalen Eigenthümlichkeiten
eines Volkes auf seine Rechtsentwickelung einwirken. Dieses alles,
wie die Darstellung der Culturstufen der Volker wäre vielleicht
zweckmäßiger der Schilderung des Verlaufs der Rechtswissenschaft
unterlegt.
Ueberhaupt .ist diese erste allgemeine und rationelle Beleuch-
tung des Rechts und seiner Wissenschaft im Ganzen zwar wohl-

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