Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Warnkönig, Juristische Encyclopädie. 491
Das Gewohnheitsrecht hat „seinen Geltungsgrund in der praktisch
gewordenen unmittelbaren Ueberzeugung des Volkes, welche eine
für nothwendig oder heilsam gehaltene Norm als Rechtsnorm durch
deren Anwendung stillschweigend anerkennt". Das Juristenrecht
ist „Autoritätsrecht, weil eS durch das Ansehen seiner Autoren
getragen wird; es bedarf aber zu seiner Geltung eines tnnern
Grundes, nämlich der innern Wahrheit, der Uebereinstimmung
mit dem anerkannten Rechtssystem, und eines äußern, der Billigung
von Sachverständigen". Außer diesen drei Rechtsquetten erkennt
der Verfasser keine andere an, weder die Moral, noch das Natur-
recht, noch das Btlligkeitsrecht, insofern sie nicht schon indirekt in
jenen drei Rechtsquellen als leitendes Princip gegeben sind. DaS
folgende Kapitel setzt die Verschiedenheit der Rechtsnormen,
gemeines und besonderes, einheimisches und rccipirtes Recht aus-
einander. Entgegen den Ausführungen von Grotius, Puffen-
dorf, Thomasius, Wolf und Kant heißt cs, daß ein von
selbst geltendes Natur- und Vernnnftrecht keine Realität habe,
weil es immer erst der rechtlichen Anerkennung bedürfe, und hin-
sichtlich des göttlichen Rechts wird gesagt, daß keine Confession
sich auf dasselbe berufen könne, es sei denn daß ihre Religions-
vorschriften im Staate auch die Geltung von Rechtssatzungen haben,
oder daß ihre Ansprüche sich mit logischer Nothwendigkeit daraus
ergeben, daß ihre Kirche durch den Staat anerkannt ist. Im
fünften Kapitel „von den Rechtsverhältnissen und den
Rechten" werden die Hauptarten derselben und ihr Erwerb und
Verlust vorgeführt. Das sechste „d ie Wissenschaft des Rechts"
entwickelt vortrefflich den Charakter und den hohen Werth der
Rechtswissenschaft, welche ein Theil der angewandten Ethik ist.
Hinsichtlich ihrer Methodik wird hervorgehoben, daß ihr Ge-
genstand ein concretes Dasein habe und nicht » prioM cvnstrutrt
werden könne. Sie müsse überall objectiv^dialectisch verfahren,
von dem historisch Gegebenen ausgehen und aufsteigcnd aus dessen
wesentlichen Momenten da- Gemeinsame finden. Zn ansprechen-
der Weise werden sodann drei Hauptgebiete der Rechtswissen-
schaft bezeichnet, das Privat-, Staats- und Völkerrecht, das zweite
als das innere öffentliche Recht, das letzte, welches in das Frie-
dens- und Krtegsrecht zerfällt, als das äußere öffentliche Recht.

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