Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

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abgehandelt werden. Manche Behauptungen, die in der Vorle-
sung, wie es beim mündlichen, durch die Zeit beschrankten Vor-
trag zu geschehen pflegt, vielleicht etwas zu absolut dastchen, er-
halten in den Noten ihre gehörige Qualification, wie wir denn
nicht anstehen, die Zusätze als den Kern der Schrift selbst zu
bezeichnen.
Mit Recht beginnt der Verfasser seinen, durch die Zusätze
7—21 erläuterten 2. Abschnitt (der erste handelt von der heutigen
Macht des Adels und der 6entr>): „Entstehung des englischen
Adels," mit der Eroberung durch die Normannen. Wie das
ganze Staatsrecht von England, hat auch der englische Adel sein
Vorstadt, r, seine Anfänge in der Normandie, nicht im Angel-
sachscnreich. Ohne soweit wie Reeves zu gehen, der das ganze
Recht von England normännischen Ursprungs sein läßt, sind
über diesen Satz alle stimmberechtigten Autoritäten der neueren
Zeit einig. Auch in England gab cs eine Periode, wo, wie in
Frankreich besonders durch Thierry der Gegensatz von Gallier
und Franke, der Unterschied von Angelsachsen und Normannen
zum Gegenstand politischer Diatriben gemacht wurde. Alle Frei-
heit, alles Recht, Parlament und Jury kam von den Angelsachsen,
Knechtschaft, Gewaltthat, Prärogative und Sternkammer hatten
Alles die Normannen vom Continente eingcführt. Der Whig
schwor bei Alfred dem Großen, der Tory bei Wilhelm dem
Eroberer. Der Rückschlag, den diese Partbeiungen auf die Ge-
schichtschreibung übten, ist noch in den Werken des vorigen Jahr-
hunderts sichtbar, allein die Geschichtschreibung von heut zu Tage
weiß davon nichts mehr. Die Wahrheit, daß es keine torystische
und whiggistische, sondern nur eine Wahrheit gibt, hat sich auch
hier Bahn gebrochen und die Conquisitio des Eroberers erscheint
uns in einem andern Lichte, als einem Cavalicr aus der Zeit
Karl's I. oder einem Patrioten aus der Regierung Georg's II.
Wenn Gneist sich S. 56 gegen Macaulay's „begeisterte Schil-
derung" der Normannen verwahrt, so wollen wir allerdings nicht
alle Epitheta ornantia des berühmten Geschichtschreibers zum Ncnn-
werth annehmen; allein Jedem, der einen tieferen Blick in die
angelsächsischen Zustände vor der Eroberung gethan, muß die
Eroberung eine wahre Wohlthat für das Angelsachsenvolk selbst

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