Full text: Volume (Bd. 2 (1855))

Leist, über die dogmatische Analyse römischer Rechtsinstitute. 429
Hangs mit dem Ganzen der philosophischen Erkenntniß ist der Ge-
genstand eines Streites, dessen Schlichtung der hier gesetzten Auf-
gabe allerdings ferner lag. — Der Verf. ist hier in eine Einseitig-
keit verfallen. Er hat sehr richtig erkannt, daß man, um das
begonnene Werk der römischen Juristen fortzuführen und in ihrem
Sinne das Recht weiter auszubilden, in den rein empirischen Theil
ihrer Untersuchung eingehen und von diesem aus das Gebiet er-
weitern und ihre Lehren vervollständigen müsse; aber er übersah
darüber, daß dies doch nur die eine Seite ihrer Erörterungen
war, und daß daneben auch die absoluten Grundsätze des Rechtes,
wie sie durch die Gesetze der menschlichen Vernunft bestimmt werden,
ihre Anerkennung fordern und bei den römischen Juristen
auch gefunden haben. Die richtige Verbindung dcö philoso-
phischen und empirischen Elementes unseres Rechts hat allerdings
bei allen Versuchen zur Begründung einer allgemeinen Theorie des
Rechtes eine Hauptschwierigkeit gebildet, aber gerade die römischen
Juristen haben in der Beziehung auch wieder einen sehr richtigen
Tact gezeigt, und unser Verf. würde dies klar erkannt haben, wenn
er seine analytische Methode, die hierauf den richtigen Weg leiten
mußte, vollständiger durchgeführt hätte. Er hat freilich ganz recht,
wenn er den Grundsatz, daß ein Nießbrauch nur an Sachen mög-
lich ist, deren Gebrauch ohne Verbrauch sich denken läßt; daß bei
einem in ein Grundstück eingebauten Hanse nur von einem einzigen,
aus sres und 8uper6cies bestehenden Sachindividuum die Rede sein
kann; daß durch Zahlung eine Obligation in ganz anderer Weise
getilgt wird, als durch die Umdrehung der positiven Eingehnngs-
form dieser Obligation u. s. w., nicht aus der natürlichen aequitas,
oder, wie er es ausdrückt, aus einem bloßen billigen Fürguthalten
der Menschen, ableiten will; aber folgt denn daraus, daß z. B.
der Lehre von der Eviction, vom Schadensersatz bei der Vindica-
tionsklage, der Lehre von den Zmpensen u. s. w. ein sog. Natursatz
und nicht eine Anwendung deö Prinzips der vergeltenden Gerechtig-
keit zu Grunde liegt? Will der Verf. dem Prinzip der Ausgleichung
zwischen Verdienst und Lohn, Schuld und Entschädigung für den
rechtlichen Privatverkehr gar keine praktische Bedeutung einränmen?
Doch wir greifen mit diesen Bemerkungen der Darlegung des
GedankengangeS unseres Verfassers vor.

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